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Resistance 3
Endlich ist das Sommerloch vorüber. Der wärmsten Jahreszeit trauert man zwar hinterher, auch wenn es wenig Sonne gab, aber dem heißen Herbst schauen wir dennoch gespannt entgegen. Sony beendet also die Durststrecke und ruft zum Widerstand auf. Mit Resistance 3 erscheint der dritte Ableger für die Playstation 3. Dem Widerstand gegen die harte Shooter-Konkurrenz schließen sich Medipacks und altbewährtes Gameplay, genauso wie der Fokus auf mehr Story und mehr Atmosphäre an. Ob diese schlagkräftigen Argumente reichen, um sich auch gegen den Hauptkonkurrenten Killzone 3 zur Wehr zu setzen, erfahrt ihr in unserem Review zu Insomniacs neuestem Actionkracher. Resistance 3

STORY
Bevor es so richtig losgeht, verlangt Insomniac noch einiges an Geduld von euch ab. Mit zwei richtig großen Patches (ca. 650 MB jeweils) und einer Zwangsinstallation, die gute 10-12 Minuten in Anspruch nimmt, könnt ihr euch getrost nochmal die Bedienungsanleitung durchlesen, oder einen Kaffee aufsetzen. Zumindest wird die Installation von einem atmosphärischen Intro in Comicoptik begleitet. Wer den dritten Teil der Serie spielt, sollte sich auch gleich über einen großen Spoiler aus dem Vorgänger nicht wundern. Also bevor ich hier etwas verrate, sei euch an dieser Stelle nochmal wärmstens empfohlen die Vorgänger entweder nachzuholen, oder euch die Story anzueignen.
Ihr startet dieses Mal mit einem neuen Hauptcharakter den Kampf gegen die Alieninvasion, nämlich Joseph Capelli. Der Exsoldat lebte in den vier Jahren, die seit dem zweiten Teil vergangen sind, mit seiner Frau Susan und seinem Sohn Jack in Haven, Oklahoma. Dies ist ein Unterschlupf für einen Teil der Erdbevölkerung, die den vernichtenden Krieg überlebten und fortan im Untergrund versuchen ein halbwegs normales Dasein zu fristen. Sage und schreibe 90 Prozent der Menschen auf dem blauen Planeten wurden ausradiert oder fielen dem Virus zum Opfer.

 

 

Doch die scheinbare Idylle wird jäh von den Chimera unterbrochen. Sie entdecken den Unterschlupf der Menschen und nehmen ihn sogleich unter Beschuss. Die Überlebenden fliehen, doch als Joseph während der Flucht auf einen alten Bekannten, namens Malikov trifft, ändert sich der Plan. Der Wissenschaftler bittet ihn um Begleitung nach New York City. Dort soll ein Wurmloch-Generator der Chimera stehen, der die Erde langsam in eine gigantische Schneekugel verwandelt und er könnte die einzige Schwachstelle der außerirdischen Bestien sein. Susan bittet euch, den Wissenschaftler zu begleiten. Und so trennt ihr euch von eurer Familie und klammert euch an den letzten verbliebenen Halm der Hoffnung.

 

 

Insomniac Games schafft es tatsächlich mit einer ordentlichen Prise Emotion und viel Atmosphäre einen gelungenen Einstand in die Story von Resistance 3 zu kreieren. Mit Joseph Capelli habt ihr dieses Mal kein Sprüche klopfendes Steroidmonster als virtuelles Konterfei, sondern einen Familienvater mit Verstand und Verantwortung. Sein Schicksal liegt euch also deutlich mehr am Herzen, als irgendeines beliebigen Soldaten. Auch wenn die Charaktere nicht wirkliche Tiefe besitzen, so versprühen sie doch sehr viel Sympathie. Auch die vielen Nebenrollen in der Geschichte erhalten etwas Farbe und runden die Story sehr viel stärker ab als zum Beispiel bei Killzone 3.
Auch der weitere Verlauf der Geschichte bleibt überwiegend spannend. Neben vielen vorhersehbaren Ereignissen, die man schon gefühlte tausend Mal gespielt hat, gibt es auch die ein oder andere Storywendung. Eine sei hier ganz besonders hervorgehoben, mit der wir so nie gerechnet hätten, die wir an dieser Stelle aber auch nicht spoilern wollen.

 

 

Auch der Ton der Story wird deutlich rauer im dritten Teil. Man fühlt sich von der erste Minute an direkt im Widerstand verankert und das verzweifelte Gefühl der absoluten Unterlegenheit drückt die gesamte Spielzeit über auf euer Gemüt – grandios! Dazu zählt aber auch das neue „Survival- Horror-Flair“, das zeitweilig auftaucht. Einige Sets erinnern an frappierend Silent Hill, während die gesamte Stimmung gut mit der Vision einer Alieninvasion von Stephen Spielbergs „Krieg der Welten“ zu vergleichen ist. Auch wenn die Story insgesamt keine Bäume ausreißt, so sticht sie doch erfrischend aus dem Shooter-Einerlei hervor und ist definitiv ein Plus gegenüber Killzone, Call of Duty und Battlefield.
Einzig das Finale wirkt ein wenig abrupt und hätte noch mehr Epos vertragen. An dem positiven Gesamteindruck kratzt dieser Umstand aber wenig.

 

 

GAMEPLAY
Spielerisch setzte man, wie eingangs erwähnt, auf „Retrokost“. Eigentlich gehörte es schon fast zum guten Ton der Videospielwelt, dass man sich, wenn man ein Mal angeschlagen ist, nur hinter einer Deckung auszuruhen braucht, um wieder vollen Lebenssaft zu erhalten. In Resistance 3 hingegen findet ihr euch auf der guten alten Suche nach Medipacks wieder. Tatsächlich kann dies den Kampf gegen die Alienbrut erschweren, hilft es doch nichts sich passiv zu verkrümelt, sondern man muss aktiv nach den kleinen grünen Lebensrettern eifern. Auch das Waffenrad fand wieder Einzug ins Gameplay. Mit einem Druck auf die Dreieck-Taste ruft ihr dieses auf und wählt entweder eine der aus der Reihe bekannten Waffen, wie dem Bullseye, oder dem Karabiner, oder aber ihr entscheidet euch für eine neue Kreation der Entwickler. Darunter fallen zum Beispiel der Mutierer und der Atomisierer. Beide sind sehr zu empfehlende Ballermänner, die für groteske Momente und das ein oder andere Schmunzeln in der düsteren Kriegsatmosphäre sorgen. Ansonsten gibt es nur wenig Innovation. Resistance ist und bleibt bekömmliche Shooterkost, die wenig falsch macht, aber auch nicht gerade Grenzen zersprengt.
Dafür gibt es hin und wieder auch einige Gameplay-Leckerbissen. Die wirklich gut gescripteten Passagen machen Laune und sorgen für so manchen „WTF“-Moment, der euch die Kinnlade runter fallen lässt. Auch die Bosskämpfe wirken nur selten aufgesetzt. Die Level sind zwar arg begrenzt und manchmal sogar schlauchartig, aber das fällt kaum ins Gewicht. Man hat immer genügend Platz und die Vielfalt der Settings hilft darüber hinwegzusehen.

 

 

Auf dem Schwierigkeitsgrad „Normal“ spielt ihr in guten 6-8 Stunden die Kampagne durch. Das mag nicht so viel erscheinen, aber es reicht. Wer noch mehr braucht, bedient sich der übrigen Modi, oder spielt ein Rollenspiel. Im Falle von Resistance hätte einiges mehr an Gameplay-Elementen eingebaut werden müssen, damit keine Langeweile aufkommt. Immer und immer wieder die gleichen Gegnermassen zu malträtieren wäre irgendwann nicht mehr tragbar gewesen. Auch so kommen schon genug Spielphasen auf, in denen man die Motivation leicht verlieren könnte. Teilweise fühlt man sich eher als Kammerjäger zweckentfremdet.

 

 

PRÄSENTATION
Die Grafik von Resistance 3 ist nicht besonders und trotzdem klasse – ein Paradoxon. Diese paradoxe Aussage gewinnt seine Logik dadurch, dass die Engine im Detail wenig hermacht, geradezu altbacken wirkt. Die Texturen sind arg matschig, die Charaktere schlecht modelliert und hölzern in der Bewegung, die Lippen sind in der deutschen Fassung nicht synchron zum gesprochenen Text und dann gibt’s noch nicht mal 60 Bilder pro Sekunde. Aber betrachtet man das Spiel mit etwas Abstand, kommt gleich sehr viel Atmosphäre auf. Sei es das schneebedeckte New York, das stürmische Oklahoma mit den fantastischen Partikeleffekten oder die tollen Sonnenlichtsituationen, die hier und da auftauchen. Auch das Setdesign an sich ist eine absolute Wohltat des optischen Sinnes. An Authentizität ist dies kaum zu überbieten, kommt doch so richtige Untergangsstimmung auf. Teilweise hatten wir auch das Gefühl uns im Spiel geirrt zu haben, wie anfangs beschrieben.

Die Synchronstimmen sind insgesamt positiv ausgefallen. Wäre die Lippensynchronität noch gegeben, hätte das für deutlich mehr Stimmung und Glaubhaftigkeit gesorgt. Die Tonbänder, die man finden kann, sorgen auch für eine tiefergehende Atmosphäre und der Score tut sein Übriges. Der Sound insgesamt ist wirklich super ausgefallen. Die Waffen, die Explosionen, die Aliens, alle machen tolle und schön abgemischte Geräusche. Es kommt richtig Druck auf und die Action wirkt gnadenlos und stets lebendig.
An der Inszenierung der Zwischensequenzen hätte Insomniac noch etwas feilen können. Dort hätte man noch einiges an Punkten, besonders gegenüber der Konkurrenz, sammeln können.

 

 

EXTRAS & UMFANG
Nach guten 8-9 Stunden seht ihr den Abspann über euren Fernseher flimmern. Wer alle Dokumente und Tonbänder, die man während der Story einsammeln kann, finden will, der wird vielleicht an den 10 Stunden kratzen. Für alle, die es etwas härter mögen, sei der schwerste Modus zu empfehlen. Aber auch auf „Normal“ schaltet man nach Beenden des Spiels den Modus „Übermensch“ frei. Natürlich gibt es auch viele fordernde Trophies zu gewinnen. Bis man alle Waffen auf ihr höchstes Level befördert hat, vergehen auch bestimmt mehr als zwei Durchgänge. Man levelt die Waffen dadurch, dass man sie häufig benutzt.
Der Multiplayer-Part darf natürlich nicht fehlen. So könnt ihr die Kampagne zu zweit, entweder per Splitscreen oder online bestreiten. Außerdem gibt es natürlich auch einen Online-Modus mit bis zu 16 Spielern auf 10 Maps. Hier hat Resistance im Vergleich zu den Vorgängern einiges an Argumenten eingebüßt. Ein Hauptargument von damals waren noch die 60 Spieler auf einer Map. Nun muss man sich mit Shooter-Standard zufriedengeben. Ob Insomniac aber die beiden Thronbesetzer Call of Duty und Battlefield in dieser Disziplin attackieren wollte, sei mal dahingestellt. Zudem kommt in Sachen Spielerzahl auch immer ein MAG in die Diskussion. An diesen Zahlen konnte man sich vermutlich ohnehin nicht messen.

 

 

FAZIT
Betrachtet man die Elemente von Resistance in denen man bei Insomniac Games scheinbar deutlich besser sein wollte als die Konkurrenz, so muss man feststellen, dass sich besonders gegenüber dem Vorgänger doch einiges verbessert hat. Die Story kommt nun nicht mehr so belanglos rüber, der Hauptcharakter gewinnt an Tiefe und die Atmosphäre spielt ganz oben mit. Es ist einfach herrlich zu sehen wie ein schier unendlicher Schwarm von „Witwenmachern“ über die amerikanische Landschaft zieht, wenn man zuvor noch eine dieser spinnenartigen Riesenviecher bekämpft hat. Aber auch das Setting und die tolle Levelarchitektur wissen durchweg zu überzeugen. Patzt die Technik im Detail, so machen der gesamte Look und die bedrückende Untergangsstimmung einiges wieder wett. Wir würden sogar soweit gehen und behaupten, dass die generierte Atmosphäre die schwächelnde Technik obsolet macht für den optischen Eindruck. Einzig in den Zwischensequenzen trifft dies nicht zu. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen. Resistance setzt noch mehr als seine Vorgänger auf die Story, die Atmosphäre und die Emotionen im Spieler. Wer einen reinen Shooter will, der greift sicher zu einem anderen, davon gibt es ja eine große Vielfalt auf dem Videospielmarkt. Wer aber einen storybasierenden Shooter mit beeindruckenden Momenten spielen will, der greift zu Resistance 3.

 

 


Bewertungen

Story
9/10
Gameplay
8/10
Präsentation
8/10
MP & Umfang
7/10
Fazit
8.5/10
Resistance 3
User-Bewertungen
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