max_artikel
Max Payne 3
Rockstar Games! Diese Tochtergesellschaft von Take 2 Interactive steht seit Jahren für höchste Qualität und beste Verkaufszahlen in der Videospielbranche. Den meisten kommt die grandiose „Grand Theft Auto“ – Serie in den Sinn, wenn sie an das Logo mit dem „R“ denken. Sie stehen aber auch für Titel wie „Red Dead Redemption“, „L.A. Noire“, „Canis Canem Edit“ und sie sind die Erfinder des gebrandmarkten Cops, „Max Panye“. Nach neun langen Jahren kehrt der Ex-Cop zurück auf die Videospielbühne. Rockstar Games haben uns noch vor dem offiziellen Release mit einer PlayStation 3 Version von „Max Payne 3“ ausgestattet. Erfahrt hier, ob der rüstige Rentner immer noch sau cool durch die Lüfte springt und schießt, oder ob das Franchise sich doch lieber zur Ruhe setzen sollte. Max Payne 3

STORY

Max Payne sitzt in einem schäbigen Appartement. Er trinkt Scotch, schluckt Schmerzmittel als wären sie kleine Süßigkeiten und versinkt in eine schier endlose Depression. Eine tiefe, schwere Melodie gespielt von Cellos, belastet die Szene mit noch mehr Dramaturgie. Jeder Videospieler dieser Welt kennt die Vergangenheit des Cops, weiß um die Tragödie seiner Familie. Er hält das Foto in der Hand, versucht sich davon zu lösen, einen Neuanfang zu starten, doch er schafft es nicht. Er nimmt noch einen Schluck, der Bildschirm zuckt, flackert und verschwimmt. Max Payne ist nicht mehr auf heimischem Boden. Er befindet sich in Brasilien, besser gesagt in São Paulo. In der Hoffnung New Jersey und all seine Erinnerungen an diese Stadt zu vergessen, nimmt er in der brasilianischen Hauptstadt nun den Job als Sicherheitsberater der wohlhabenden Familie des Immobilienmoguls Rodrigo Branco an.

Auf einer Party geschieht dann aber das Unvermeidliche. Gangster stürmen das Anwesen und versuchen Branco’s Familie zu kidnappen. Max versagt. Es gelingt den Gangstern tatsächlich die Frau des reichen Moguls als Geisel zu nehmen. Ausgerechnet die Ehefrau. Max Payne weiß um einen Verlust wie diesen bestens Bescheid. Während die Streichklänge aus dem Intro lange verklungen sind, hallten sie in meinem Kopf bis hier hin nach und ich stellte mich auf eine brutale, emotionale und gnadenlose Hetzjagd durch die Slums von  São Paulo ein.

 

Auch mit den Titeln „Red Dead Redemption“ und „L.A. Noire“ im Hinterkopf, stellte ich mich auf Erwachsenunterhaltung pur ein. Natürlich ist der Ex-Cop immer noch wunderbar zynisch und melancholisch. Sein das Gameplay begleitender Monolog, der auch durch die Story führt, ist nach wie vor  herausragend. Und natürlich sind die Themen, die hart und schonungslos präsentiert werden, nichts für Jugendliche unter 18 Jahren. Aber das macht noch lange kein erwachsenes Spiel aus, wie wir aus der jetzigen Generation nur allzu oft und schmerzlich erfahren mussten. Denn der Plot von „Max Payne 3“ hält nicht, was das Intro verspricht. Nach den ersten Actioneinlagen verstummten auch die dunklen Cello-Melodien aus meinem Kopf und ein fieser Tinitus penetrierte fortan meinen Gehörgang. Natürlich ist Max Payne seit jeher eine Actionserie. Aber das Geballer in der berühmten „Bullet Time“ hatte immer diese tiefe, besondere Note. Unvergessen sind die Ereignisse des ersten Max Payne. Ernsthaftigkeit, Melancholie und anspruchsvolle Action wichen einem trägen Plot mit austauschbaren Charakteren. Was die Story rettet, ist der Blick auf die vielen anderen Vertreter dieses Genres und die klare Erkenntnis, dass nur ganz wenige Entwickler es schaffen überhaupt Charaktere zu gestalten. Und da spielt Rockstar definitiv in der gleichen Liga. Natürlich ist es leicht, ein Schwergewicht wie Max Payne, und damit spielen wir nicht auf seine Gewichtszunahme über die Jahre an, sondern auf seinen ausgefeilten Charakter, in ein neues Setting zu pressen und immer noch zu überzeugen. Und auch wenn viel Skepsis herrschte, Max Payne ist immer noch der Alte. Doch der Rest der Story verstrickt sich zu sehr in aufgesetzten Twists mit einem beliebigen Charakterdesign.

 

Die Inszenierung aber ist weitestgehend geglückt. Auch wenn die Kamera an vielen Stellen zu viel wackelt, die Action ist fulminant in Szene gesetzt und auch die vielen Cutscenes kommen hollywoodreif rüber. Die Flashbacks, die Max durchlebt, dienen einzig dem Wechsel des Settings. Um die aktuellen Geschehnisse des Ex-Cops zu erklären, bedarf es keines so weiten Ausholens.  Doch am Ende muss man konstatieren, dass die Story weit mehr Tiefe besitzt als die meisten Genrekollegen und dafür muss man dem Studio Respekt zollen.

 

GAMEPLAY

Wer die Blu-ray Disc von „Max Payne 3“ in sein PS3-Laufwerk legt, darf sich über den Patch auf Version 1.01 freuen sowie über eine Zwangsinstallation von ungefähr 2,5 Gigabyte. Dann kann das Actionspektakel aber losgehen und zwar in gewohnter Third-Person-Manier. Schnell wird noch festgelegt, auf welchem Schwierigkeitsmodus man spielen will und da wir für Reviews immer zuerst den „Normal“-Modus durchziehen,  wird dieser auch bei „Max Payne 3“ aktiviert. Zudem dürft ihr euch eine Zielhilfe aussuchen. Zwischen den Stufen könnt ihr euch entscheiden zwischen stark, leicht bis hin zu gar keiner Zielhilfe. Was wir dringend raten ist die Ziel- und Schusstasten von den hinteren Triggern (R2 und L2) auf die vorderen zu legen. Das geht einfach sehr viel knackiger und präziser von der Hand und Rockstar hat extra diese Auswahlmöglichkeit mit ins Steuerungsmenüs gepackt. Sehr löblich. Auch ein Deckungssystem ist mit hinzu gekommen. Dieses funktioniert soweit sehr gut, doch solltet ihr immer Max‘ Trägheit mit einrechnen.

Dann endlich kommt der Moment der ersten „Bullet Time“ und sofort ist es wieder Liebe auf den ersten Schuss. Die Kugeln zerschneiden in Zeitlupe die Luft zwischen Waffenlauf und Schädeldecke des Gegners. Natürlich ist die Zeit begrenzt, lädt sich aber selbständig wieder auf. Was sich hingegen nicht wieder auflädt, ist eure Gesundheit. Wer also annimmt, sich im 21. Jahrhundert der Videospielkultur hinter einer Wand verstecken zu dürfen um seine Gesundheit wieder auf Vordermann zu bringen, wird durch die Lebensanzeige eines Besseren belehrt. Wie in den Vorgängern dürfen wir uns also auf die Suche nach „Painkiller“ (Schmerzmittel) machen.  Und die virtuellen Ibuprofen-Tabletten sind rar und teilweise irrwitzig gesät, wie etwa auf dem Dach eines Gebäudes. Da man sich aber für dieses Design-Element entschied, muss man die daraus folgende unlogische Konsequenz tragen. Die Einnahme der Medizin heilt euch nicht komplett, es sei denn ihr verbraucht mehrere der kostbaren Einheiten und die Einnahme ist stets mit einem kurzzeitigen Verschwimmen des Bildschirms verbunden. Alkohol und Schmerzmittel vertragen sich eben nicht gut.

 

Der Grund weshalb wir auf dieses Element besonders deutlich eingehen ist der, dass Max Payne 3 ein verdammt schweres Spiel ist. Die Level sind eng und schlauchartig, taktisches Vorgehen ist in jedem Abschnitt völlig ausgeschlossen. Auch das Anschleichen an Gegner funktioniert nicht. Ihr müsst euch durch jedes Areal ballern was das Zeug hält. Hinzu kommt aber, dass die Gegner euch, egal wo ihr euch versteckt, euch immer sehen. Lauft ihr etwa gebückt an einer Deckung entlang, wissen sie dennoch genau wo ihr euch aufhaltet. Gerne stürmen die Gegner dann, dank ihrer Übermacht, hinter eure Deckung und machen euch kalt. Häufig kriegt ihr das gar nicht mit ob der schier unendlichen Gegnerzahl, die ihr zu bekämpfen habt. Oft aber ist es eben die einzige Deckung hinter der ihr euch verstecken könnt.  Und habt ihr erst ein Mal ins virtuelle Gras gebissen, dürft ihr euch über noch mehr Unfairness freuen. Die Checkpoints sind lächerlich und zwingen euch die gleichen Abschnitte immer und immer wieder zu bestreiten. Wer das erste Mal ein Großraumbüro in seine Einzelteile zerlegt hat, wird ein breites Grinsen aus seinem Gesicht nicht mehr los. Spielt man diesen Abschnitt aber zum gefühlten hundertsten Mal, wird es frustend, eintönig und langweilig. Ihr wisst aus welcher Ecke die Gegner kommen, seid schon lange nicht mehr so überrascht wenn sie durch die Fensterfront springen und euch flankieren. Und obwohl ihr den Abschnitt mittlerweile blind spielen könnt, kann manchmal ein kritischer Treffer euch töten. Und wieder nehmt ihr das Büro auseinander.

Das zehrt gewaltig am Spielspaß und an der Motivation. Spiele mit einer solchen Fokussierung auf  Inszenierung sollten ein besseres Pacing besitzen.

 

Die geskripteten Momente, in denen ihr in der „Bullet Time“ mehrere Gegner während eines fulminanten Stunts außer Gefecht setzt, sind aber toll in Szene gesetzt und machen wirklich Spaß. Auch der selbstständige Einsatz eben jener Zeitlupen geht relativ gut von der Hand und macht Laune. Leider kann es bei Sprüngen gerne mal passieren, dass der gute Max sich an einer Ecke verheddert. Die Bullet Time bricht in diesem Falle ab und ihr landet auf dem harten Boden der Realität. Oft gibt es Situationen im Spiel in denen ihr nur mit Trial&Error weiterkommt.

Ballert ihr euch nicht gerade durch schlauchartige Level mit  unzähligen Feinden, findet ihr euch in einem Railgun-Abschnitt wieder. Fulminant inszeniert kommt hier aber wirklich Freude auf. Ab und an liegen Hinweise in den Level verstreut. Ihr könnt diese untersuchen und Max erzählt dann etwas mehr über die Hintergrundgeschichte. Echtes Ermittler-Gameplay á la „L.A. Noire“ kommt aber leider nie auf.  Das hätte das doch eintönige Action-Gameplay an einigen Stellen wunderbar auflockern können.

 

PRÄSENTATION

Trotz seines Alters macht Max Payne immer noch eine gute Figur. Die Jahre des Schmerzes nagten sichtlich an dem Antihelden und das versprüht sehr viel Authentizität. Auch das neue Setting weiß zu gefallen. Ob nun hoch in der Luft auf einer Party der wenigen Reichen mit viel Koks und Alkohol  oder am Boden im Morast der Slums. Das Spiel sieht immer toll aus. Das virtuelle Blut spritzt literweise und die Bullet Cam hält immer voll drauf. Spieler mit einem schwachen Gemüt sollten sich den Kauf also überlegen. Trifft man seinen Gegner im Gesicht, sieht das entsprechend aus. Die Deutsche Version kam allerdings nicht ganz ohne Schnitte aus. So könnt ihr keine Wehrlosen und keine Unschuldigen töten. In allen anderen Versionen ist dies möglich.

Das Spiel läuft ohne Tearing und ohne Kantenflimmern butterweich. Wir haben nicht ein Mal die Framerate unter einem kritischen Wert erlebt. Da die Level aber überschaubar sind, wäre dies auch ärgerlich gewesen. Die Texturen sind nicht hochauflösend, aber überwiegend gestochen scharf und toll eingesetzt. Jedes einzelne Setting versprüht sein ganz eigenes Flair. Die Klamotten auf Max Paynes Haut bewegen sich realistisch und auch der Rest der Animationen kann sich sehen lassen. Nie haben wir Gegner so stylisch ins virtuelle Jenseits geschickt wie in diesem Titel. Die Kamerafahrten tun ihr Übriges um diese genialen Momente auch noch atemberaubend einzufangen. Rockstar dachte wie immer auch an die kleinen Details. Überall gibt es was zu entdecken und alle die vielen Gegenstände sind auch noch zerstörbar. Wir haben uns ein Mal den Spaß erlaubt und auf einer Yacht auf ein paar auf einem Bartresen vorbereiteten Kokslines geschossen: Eine Staubwolke war der letzte Zeuge dieser nächtlichen Drogenorgie. In den Actionszenen kommt diese Zerstörbarkeit natürlich besonders stark zum Tragen.

Auch die Inszenierung ist wie bereits angesprochen erhaben. Das Alkohol- und Drogenproblem des Ex-Cops macht sich durch Zucken und Flackernd es Bildschirms bemerkbar.  An einigen Stellen war es uns aber ein bisschen zu viel des Guten. Besser wären nur die Momente gewesen, in denen der abhängige Cop seinen gebeutelten Geist mit Scherzmitteln und Alkohol zu betäuben versucht.

 

Der Sound ist erhaben. Sowohl der Score als auch die Synchronisierung sind prima geglückt. Max spricht kein Portugiesisch und somit könnt ihr die Sprache auch nur im Original unten mitlesen. Wer ihrer also wie Max nicht mächtig ist, hat das Nachsehen. Dies trägt aber zur oft bedrohlichen Atmosphäre bei.

 

MULTIPLAYER UND UMFANG

Ein mäßiger Plot, viel Action und Krawall versüßt mit einer ordentlichen Portion Gewalt. Was fehlt, ist der Multiplayer-Modus, der neben der Einzelspieler-Kampagne das perfekte, moderne Spiel abgibt. So kommt „Max Payne 3“ als erstes der Serie mit einem Mehrspielermodus daher. Ihr könnt euch in Clans zusammenschließen und auf den zerstörbaren Maps eure Statistik verbessern. Zudem könnt ihr eure eigenen Charaktere gestalten und viele Belohnungen freischalten.

Innerhalb der Einzelspielerkampagne warten die oben erwähnten Hinweise auf eure Entdeckung sowie pro Abschnitt drei Teile einer goldenen Waffe. Trophäen blinken erst spät im Spielverlauf auf und sollten zusammen mit dem teils heftigen Schwierigkeitsgrad eine echte Herausforderung darstellen und stundenlanges Zocken, aber auch viel Frust garantieren. Die Story hat man je nach Schwierigkeitsgrad in guten 10-15 Stunden durch.

 

FAZIT

Max Payne ist brachial und unbarmherzig. Die vielen Frustmomente treiben selbst gestandene Zocker an ihre Schmerzgrenze. Emotionen kommen also nur in Form von Wut, die man allzu gerne am Controller ablädt, zustande. Die Story und die Charaktere lassen ein erwachsenes Publikum eher kalt. An die Szenen des ersten Teils kommt kein einziger Moment im aktuellen heran. Vielleicht ist genau das die Crux an der Geschichte des Max Payne. Sie wurde erzählt, hat ihren dramatischen Höhepunkt längst erreicht. Was bleibt ist ein Actionspektakel, das viel kaputt macht und wenig Neues bietet. Für eine tolle Unterhaltung reicht es aber allemal und Shooterfreunde werden absolut auf ihre Kosten kommen. Max Payne macht als Antiheld á la „Man on Fire“ oder „Stirb Langsam“ eine prima Figur. Der Titel sieht fantastisch aus und ist sehr gut in Szene gesetzt.

Wer zu sehr am alten Max klammert, könnte enttäuscht werden. Wer auf fulminante, rücksichtslose und brutale Action aus ist, wird bestens bedient und kann bedenkenlos zugreifen.

 

 

 


Bewertungen

Story
7/10
Gameplay
8/10
Präsentation
9/10
MP & Umfang
9/10
Fazit
8/10
Max Payne 3
User-Bewertungen
12345678910 8,75/10
4 Bewertungen
Loading ... Loading ...



Lexgen
20. Mai 2012 um 07:27 Uhr

Gefällt mir, diese Review! Sehr gut geschrieben – Hut ab! Das Spiel selbst kenne ich zwar nicht, so dass ich nicht beurteilen kann, ob die Aussagen zum Spiel zutreffen. Aber inhaltlich und stilistisch astrein, dieser Artikel – absolutes Profi-Niveau.

:thumbs:

Kyanu
20. Mai 2012 um 08:14 Uhr

wow…vielen Dank. Weiß gar nicht was ich zu so viel Lob schreiben soll, außer Danke. :) Heute zeichnen wir ein “Vorspiel” mit dem Maxe auf. Vielleicht hilft dir das noch weiter in deiner Beurteilung. :)

Gronka
6. Juli 2012 um 09:16 Uhr

Ich spiele Max aktuell auf dem PC und habe auch eher gemischte Gefühle. Das Gameplay ist super. Bei der Inszenierung finde ich die Flackereffekte auch ziemlich übertrieben. Es ist gewohnt gute Kost, an Max Payne 2 kommt es aber lange nicht vorbei. Mir gefiel das düstere New York persönlich einfach besser.


Schreib einen Kommentar

Du musst eingeloggt sein um einen Kommentar zu schreiben.