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Lollipop Chainsaw
Eine Pompons schwingende, Minirock tragende Cheerleader mit einer Kettensäge in der Hand auf Zombiejagd. Genau so haben wir auch geguckt, wie ihr jetzt nach diesen Zeilen, falls ihr bisher noch nichts von Grasshopper Manufactures „Lollipop Chainsaw“ gehört oder gesehen habt. Warner Brothers Interactive Entertainment präsentiert uns das knallbunte Zombiegemetzel aus der Feder keines geringeren als Goichi Suda (alias SUDA51) noch vor dem offizellen Release in Deutschland am 15. Juni 2012. Wir haben uns das komplett ohne Schnitte auskommende Hack’n’Slay zur Brust genommen und verraten euch, wie es sich schlägt…mit Kettensäge und Pompons. Lollipop Chainsaw

STORY

Juliet Starling räkelt sich lasziv und nur spärlich bekleidet in ihrem Bett. Heute ist ihr Geburtstag und deswegen soll es ein ganz besonderer Tag werden. Womit sie auch Recht behalten soll. Denn die Musterschülerin wird an diesem Tag mit einer Horde von Zombies konfrontiert, die ihre “San Romero High School” besetzen und jeden Menschen auf dieser Welt vertilgen wollen. Doch wie gut, dass die knackige Cheerleaderin vor allem eines ist: Eine sexy Zombiejägerin! Und so schnappt sie sich kurzer Hand ihre pinke Kettensäge und macht Jagd auf die Untoten. Im Park der High School angekommen, wird sie Zeugin wie ihr geliebter Nick von einem Zombie gebissen wird. Man muss kein großer Zombie-Freak sein, um zu wissen, dass ein normales Leben nur noch ein kurzes Dasein fristen wird, ehe er sich ebenfalls in einen Menschenfresser verwandeln wird. Doch noch bevor das Virus-verseuchte Blut seinen Kopf erreicht, ergreift Juliet eine drastische Maßnahme. Sie trennt den Kopf ihres Freundes ab und rettet ihn mittels eines magischen Rituals. Von nun an baumelt alles was von seinem Körper noch übrig ist, also nur sein Schädel, am Gesäß seiner Geliebten und sie machen sich zu zweit auf die gefährliche Reise durch die Heerscharen von Untoten.

 

Wenn euch nach diesen Zeilen bereits die drei magischen Buchstaben „WTF“ über die Lippen gleiten und ihr euch fragt was zum Geier der Redakteur konsumiert hat, dann lasst euch eines sagen: Dies ist nur der Anfang von Lollipop Chainsaw. Die Geschichte, die Zombies, die Bosse und die Schauplätze, all das wird noch skurriler und durchgeknallter mit jeder Spielminute. “Warner Brothers” konnte für die witzigen Dialogzeilen und vielen Anspielungen, die im Drehbuch verarbeitet wurden, Regisseur und Drehbuchautor James Gun (“Dawn oft he Dead”, “Tromeo & Julia”) verpflichten. Genau diese Kombination aus Selbstironie und pausenlos spaßigen Witzen macht die Mischung von “Lollipop Chainsaw” zu einer ganz besonderen. Ihr freut euch immer wieder auf neue Areale und noch schrägere Gegnerdesigns. Wir haben uns nicht nur ein Mal an den lustigen Dialogen amüsiert, sondern die gesamte Spielzeit hindurch. Denn das allerschönste am Zombie-Slasher mit der sexy Cheerleaderin ist, dass er sich nicht ein Mal eine Sekunde lang ernst nimmt.

 

GAMEPLAY  

Die knallbunte und knackige Cheerleaderin steuert ihr in gewohnter Third-Person-Manier. Ihr führt Attacken mit den Pompons aus, springt und tretet wie Chuck Norris zu seinen besten Zeiten und zersägt eure Widersacher schließlich mit der Kettensäge. All das geht gut von der Hand und macht auf Anhieb Spaß. Denn erst, wenn ihr einen Zombie so richtig schöne Schläge und Tritte verpasst habt und er daraufhin taumelnd Sternchen sieht, lässt er sich gut enthaupten. Als Belohnung winken Taler, mit denen ihr euch neue Fertigkeiten kaufen könnt, in neue Kostüme investiert, Musikstücke erwerbt oder eure Vitalwerte verbessert und ihr füllt zusätzlich eure Zombie-Seelen-Leiste mit gesammelten Sternen aus den leblosen Körpern der erledigten Gegner auf. Ist die Anzeige voll, könnt ihr mittels R2-Taste in den Regenbogen-Rage-Modus springen. Kombos und Schlagkraft werden noch besser und das Zerschnetzeln der Zombies sieht noch besser aus.

 

Zum Glück sind wir spielerisch noch längst nicht am Ende. Das Spiel überzeugt nämlich nicht durch Gegnermasse allein, sondern vor allem durch die ausgeklügelten Designs eurer untoten Widersacher. Brennende, in Sprengstoff verpackte auf Schubkarren gefahrene, mit Gitarren prügelnde und die schlimmsten von allen: Lehrende Zombies. Einige besitzen einen Lebensbalken und sind natürlich sehr viel widerstandsfähiger als die anderen. Andere haben große Gasflaschen oder ganzes Mobiliar in den Armen und versuchen euch damit zu verdreschen. Seid ihr ein Mal so richtig gut eingestellt auf alle Gegnertypen, kommt um die Ecke schon eine neue Zombieart. Langeweile kommt hier nie auf und noch dazu durchlebt ihr dieses knallbunte Gemetzel mit einem breiten Grinsen.

 

Sind die Schergen eines kleinen Areals besieht geht es weiter. Wer nicht zu 100% fokussiert ist, kann schon mal ein plötzliches Quick-Time-Event verpassen. Ein Schulbus kracht etwa durch die Korridore der “San Romero High” oder Felsbrocken fliegen auf euch hinunter. QTEs müsst ihr auch bestehen, wenn ihr euren treuen „Hinternanhänger“ Nick auf einen neuen Körper steckt. Meist muss er große Hindernisse für euch frei räumen und das erledigt ihr mit den Tastenkombinationen. Natürlich werden eure Lachmuskeln bei den knackigen Quick-Time-Events nicht verschont, was es teilweise noch schwieriger macht. Ab und an schaltet der Wahnsinns-Level noch eine Stufe höher, etwa wenn ihr einen Basketballplatz oder ein Baseballfeld betretet. Hier gilt es dann gegen den Zombie-Score zu bestehen. Knackt die Bestmarke indem ihr etwa Zombieköpfe in die Körbe befördert.

 

Richtig toll sind auch die Bosskämpfe, die am Ende eines Areals auf euch warten. Aus der untoten Welt stellen sich euch die sogenannten „Zombie-Rock-Lords“ in den Weg. Herrlich durchgeknallte, skurrile und zum Schreien komische Kämpfe warten auf euch. Selten haben Bosskämpfe so viel Spaß gemacht. Am Ende winken meist Upgrades eurer Kettensäge als Belohnung für den gewonnenen Kampf.

 

Doch nicht nur das Reich der Untoten wirft dunkle Schatten auf die Welt von Juliet Starling, denn natürlich ist nicht alles Gold, was regenbogenfarben glänzt. So zickt die Kamera an einigen Stellen ganz gerne mal und auch einige Rücksetzpunkte sind nicht besonders fair gesetzt. In höheren Schwierigkeitsgraden kann sich schnell Frust breit machen, verliert das Spiel doch an Witz und Charme wenn man zu oft den gleichen Abschnitt wiederholen muss. Auch eure Bewegungsfreiheit ist arg beschränkt. Natürlich haben wir mit nichts anderem in einem solchen Zombie-Slasher gerechnet, aber das Springen von kleinen Arealen, die sich immer wie von Zauberhand schließen und am Ende eines Kampfes öffnen, in starre Script-Passagen sollte mal erwähnt werden. Spieler, die allzu sehr über Linearität klagen, sollten sich den Kauf also zwei Mal überlegen.

 

PRÄSENTATION

Dieser Bereich setzt sich in unseren Reviews bekanntlich aus der Grafik, dem Sound, der Inszenierung und dem Design zusammen. Folglich müssen wir an dieser Stelle auch auf das Gesamtbild aufmerksam machen, das aus dem Spiel ein wahres Fest der Gamer-Sinne macht. Wer sich nur Screenshots ansieht, wird schnell merken, dass der Titel technisch stark überholt ist. Besonders in den Zwischensequenzen wird dies deutlich. Die betagte Unreal-Engine produziert Tearing, Kantenflimmern, hässliche Unschärfeeffekte und eine eher schlechte Lippensynchronisation in den zwischensequenzen. Doch sobald die Filmsequenz in einen Comic-Strip springt, scheint das alles wieder vergessen. Die Kampfszenen und das Gameplay an sich laufen butterweich ab und sind herrlich animiert und inszeniert. Framerate-Einbrüche haben wir während des Spielens nicht feststellen können. Dass die Grafik im Detail dann doch nicht so berauschend ist, wie bei anderen Genrevertretern, erst recht bei der überschaubaren Levelarchitektur, kratz dann etwas an der Gesamtwertung. Doch wo die visuelle Technik nicht punkten kann, kommen Design, Musik, Vertonung und die Inszenierung mit in Spiel.

 

Über das tolle Zombiedesign und die fantastische Comic-Inszenierung haben wir bereits gesprochen, bleibt noch zu erwähnen, dass die Musik wirklich grandios ist und ihren Teil zur Atmosphäre beiträgt. Das fällt besonders auf, wenn man mal, nachdem man literweise virtuelles Blut vergossen hat, in den Shop springt und lustige Dinge kauft. Herrlich! Auch die Synchronsprecher haben einen tollen Job gemacht. Juliets naive Dummerchen-Art gepaart mit Nicks zynischen und oft auch das Spiel an sich hinterfragenden Bemerkungen muss man mal erlebt haben.

 

Wer sich im Übrigen fragt, warum das Spiel eine USK-16 Einstufung erhielt, obwohl es komplett ungeschnitten in Deutschland erscheint, dem sei gesagt, dass die Gewalt so dermaßen “over-the-top” und verherrlichend ist, dass sie schon fast lächerlich erscheint. Einen Zombie von unten nach oben in zwei Hälften zerteilt, glitzert ganz angenehm rot an den Schnittstellen, wo man eigentlich Eingeweide und literweise Blut erwarten würde. Selbst Zeigefinger-in-die-Luft-Strecker werden bei „Lollipop Chainsaw“ schmunzeln müssen, nicht nur ein Mal.

 

EXTRAS UND UMFANG

Wer die erste Stage hinter sich gebracht und den ersten Boss besiegt hat, wird auf der Weltkarte feststellen, dass so viel nicht mehr kommt. Das Spiel lässt sich auf normalem Schwierigkeitsgrad in guten 5-6 Stunden durchspielen. Anders sieht dies natürlich auf den höheren Graden aus. Goldene Lollis und Triophies, sowie das Freischalten aller Gegenstände – und die sind wirklich üppig in ihrer Anzahl – locken zum mehrmaligen Durchspielen ein. Zudem gibt es ein Ranking nach jedem abgeschlossenen Level. Wer hier eine 1+ mit Sternchen möchte, muss sich schon ganz schön ins Zeug legen. Einen Multiplayer-Modus gibt es nicht, zum Glück. Den braucht das Spiel nun wirklich nicht. Dafür kann man seine Scores online mit anderen vergleichen.

 

FAZIT

“Lollipop Chainsaw” hat uns wirklich begeistert. In der Summe macht das Spiel einfach Spaß und verbreitet gute Laune. Vor allem weil es sich nicht ernst nimmt und Selbstironie versprüht, wo es nur geht. Ein herrlich durchgeknalltes, knallbuntes Design, trifft auf viele Anspielungen und tolle Dialoge. Aber auch das Gameplay geht gut von der Hand und die vielen Spielelemente wissen noch nach Stunden des Zombie-Schnetzelns zu überzeugen und zu überraschen.  Ein irrwitziger Moment jagt den nächsten. Wer auf Zombies, Cheerleader, High-School-Romance, Gaming-Nerdism und skurrile Designs steht, dabei kleine technische Macken, sowie eine nicht ganz zeitgemäße Optik verschmerzen kann, wird mit „Lollipop Chainsaw“ voll auf seine Kosten kommen. Sternfunkelnde Augen in Regenbogenfarben inklusive, wir versprechen es euch.

 

Hier gelangt ihr zu unserem Vorspiel von “Lollipop Chainsaw”.

 

 

 

 


Bewertungen

Story
7/10
Gameplay
8/10
Präsentation
8/10
MP & Umfang
6/10
Fazit
8/10
Lollipop Chainsaw
User-Bewertungen
12345678910 9,00/10
2 Bewertungen
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jesters.ice
12. Juli 2012 um 11:18 Uhr

Spiel hab ich auf dem Schirm, schön abgedreht und mit viel nicht-jedermanns-Humor. Allerdings werde ich wohl erst zuschlagen, wenn es preislich auf Budgetniveau angekommen ist.


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