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Journey
Kennt ihr „diese Spielefirma“, thatgamecompany? Der Name ist wirklich treffend, denn auch ihre Produkte lassen sich wunderbar auf diese Weise beschreiben. „Dieses Flower“, oder „dieses neue Journey“. Um letzteres geht es in diesem Review. Sony Computer Entertainment und thatgamecompany schicken sich also erneut an uns auf eine ungewohnt sinnliche Videospielerfahrung zu senden. Wir haben uns den Titel aus dem PlayStation Network besorgt und verraten euch, ob sich der Kauf lohnt. Journey

STORY

Bei solch außergewöhnlichen Titeln fällt es schwer eine Rezension darüber in den üblichen Kategorien zu verfassen, sträubt sich das Projekt doch mit Händen und Füßen dagegen in irgendwelche Schubladen gepresst zu werden. Eine echte Story in diesem Sinne gibt es also nicht. Zu Beginn von Journey seht ihr das Ziel. Wortlos, schriftlos. Und trotzdem wisst ihr genau, was diese kleine, vermummte Figur mit den spitz zulaufenden Beinen von euch will: Eben jenes Ziel erreichen. Doch im Prinzip ist genau jene Reise euer Ziel. Mit dem Drücken der Start-Taste beginnt die Wanderschaft durch die endlosen Weiten der gleißenden Wüste. Warum bestreitet ihr diese Reise und nehmt diese Odyssee auf euch? Das bleibt bis zuletzt reine Interpretation.

Ihr trabt zu Beginn noch zu Fuß durch die schier unendlichen Weiten der Wüste. Langsam nähern sich alte an frühere Monumente erinnernde Ruinen. Im Hintergrund stets sichtbar ist euer Ziel, das gewaltige Gebirgsmassiv mit dem hellen Lichtstrahl, der aus dem mittleren Spalt emporsteigt.

Zwar gibt es immer wieder kleine Artefakte und alte Steinsäulen an denen ihr eine Art Geschichte aus längst vergangenen Zeiten ablesen könnt, doch Worte oder Schrift werden nie benutzt. Größere, weiß vermummte Wesen tauchen an diesen Checkpoints ab und an auf und manchmal helfen sie euch, wenn ihr nicht weiter kommt.

Ihr merkt, Journey lässt sich nur schwer in Worte fassen, benutzt es selbst doch nicht jene Art der Kommunikation. Die Geschichte ist nicht vorgegeben, denn es soll eure eigene, kleine Erfahrung werden. So wie ihr das Spiel interpretiert und die Reise bestreitet, entfaltet sich auch die Geschichte. Mal ist sie einfach schön und entspannt, manchmal bedrohlich und düster und manchmal einfach nur schön. In jedem Fall ist diese Erfahrung aber eure ganz persönliche. Sowas habe ich in einem Videospiel noch nicht erlebt.

 

GAMEPLAY

Ihr könnt es euch schon denken: Tutorials, elend lange Steuerungsangaben und umständliche Menüs sucht ihr in Journey vergebens. Es werden euch genau zwei Knöpfe eingeblendet: Der X-Knopf zum Springen an gewissen Stellen und die Kreis-Taste um alte Säulen zu aktivieren oder Tücher, die aus dem Sand emporragen. Die Elemente des Gameplays sind sozusagen Stoff und Sand. Seid ihr an einer Stelle, aus deren Boden Stoffe in der Luft wehen, könnt ihr diese zum Springen nutzen. Allerdings gleitet ihr viel mehr durch die Luft, als dass ihr einen kurzen Satz macht. Mit diesen neuen Möglichkeiten eröffnen sich plötzlich völlig neue Pfade und das Abenteuer bekommt erste Rätsel. Ich spinnt euch schnell einen Faden zusammen wie ihr von einem Ort zum anderen gelangen könnt. Mit der Zeit wird euch jedes neue Areal schnell vertraut und die immer wieder kehrenden Elemente nutzt ihr völlig selbstverständlich. Irgendwann gleitet ihr auf fliegenden Teppichen, die wie majestätische Walhaie durch die Lüfte gleiten, surft große Sanddünen hinunter, findet mehr und mehr Artefakte und löst meist einfache Wegrätsel.

Das Besondere an Journey ist, dass alles natürlich geschieht. Die Software zwingt euch zu nichts, sie zeigt euch nur das Ziel. Ihr könnt also euch in jedem Areal umsehen und einige Verstecke finden, oder ihr sucht immer stets den direkten Weg, weil ihr wissen wollt, was am Gipfel des mysteriösen Gebirges auf euch wartet. Ab und an treten auch Gefahren auf, doch sterben könnt ihr nicht. Trotzdem beschleicht euch ein Gefühl der Angst und ihr sucht Deckung oder flieht vor dem Bösen.

Das Prinzip, den Spieler nicht an die Hand zu nehmen, sondern ihm freie Entfaltung zu gewährleisten, funktioniert wunderbar. Nie gab es eine Situation, in der wir nicht weiter wussten oder gar fest saßen. Grandios!

 

PRÄSENTATION

An der simplen und eingängigen Steuerung mag man Journey noch den PSN-Charakter anerkennen, doch spätestens bei der Präsentation denkt man eher an eine große Produktion, die zum Vollpreis in den Regalen steht. Die Wüstenareale mit orientalischem Touch sehen fantastisch aus. Besonders die Sandanimationen suchen Ihres gleichen. Zusammen mit den Lichteffekten, die das sandige Meer in einen goldenen Ozean verwandeln, dem fantastischen Soundtrack und der ansprechenden Cel-Shading-Optik, ist Journey ein audio-visueller Hochgenuss, der all eure Sinne erfreut, versprochen. Die Settings, die Einzigartigkeit der Charaktere und die ungewöhnlichen Stoffe, die euch über jedes noch so unüberwindbare Hindernis befördern sind absolute Extraklasse. Oft saßen wir einfach nur mit offenen Mündern vor dem Bildschirm und betrachteten die tolle Umgebung. Das Spiel lädt geradewegs dazu ein.

 

EXTRAS & UMFANG

Es gibt einen Haken an Journey inmitten der unzähligen Sandkörner aus Lobpreisungen: Die Spielzeit. Nach guten drei Stunden ist das Erlebnis vorbei. Das kam uns trotz der Schönheit des Spiels ein wenig knapp vor. Zwei, drei weitere Areale hätten dem Spiel noch besser getan und definitiv zu einer Traumwertung geführt. Doch wer nicht stundenlang abseits des Hauptweges nach Verstecken sucht und Trophäen jagt, wird eben schnell den Abspann sehen.

Übrigens könnt ihr eure Reise nicht nur alleine bestreiten. Ab und an kann sich ein Gefährte euch anschließen. Dieser Gefährte ist allerdings aus Fleisch und Blut und sitzt entweder in der Nachbarwohnung oder am anderen Ende der Welt vor seiner PlayStation 3 und zockt gemeinsam mit euch Journey. Und natürlich machen euch nur die Nutzungsbedingungen, die ihr für’s Online-Zocken akzeptieren müsst, darauf aufmerksam. Einen Usernamen seht ihr nicht und kommunizieren könnt ihr gerade ein Mal mit der Kreis-Taste. Absprachen um gemeinsam an gewisse Stellen zu gelangen müssen also wortlos erfolgen, doch auch das klappte während unserer Testsession prima. Jedes Mal, wenn ihr die Reise neu beginnt, könnt ihr also auch ein neues Erlebnis erfahren.

Am Ende übrigens werden die Spielernamen angezeigt.

 

FAZIT

Es ist sehr schwer ein so aus der Reihe tanzendes Stück Videospielgeschichte in passende Worte zu fassen. Jeder, der nach einem harten Arbeitstag ein wenig Ruhe und Entspannung vor der Konsole sucht, anstelle seine Statistik im Online-Shooter zu verbessern, sollte sich thatgamecompany’s Journey dringend zulegen. Und auch allen anderen Gamern, die genug von dem ewigen Action-Allerlei haben, sei diese herrlich märchenhafte Reise durch die wundersame Wüste wärmstens empfohlen. Wer hier ein hektisches Geschicklichkeitsspiel erwartet, ist an der falschen Adresse und schaut sich lieber weiter im PlayStation Store um. Doch eines sei euch allen gewahr: Mit seiner melancholischen Stimmung, einer fantastischen Präsentation und einem absolut innovativen Gameplay steht euch mit Journey eine leider viel zu kurze, aber wunderbare Reise bevor, die ihr so noch nie in einem Videospiel erlebt habt.

 

 


Bewertungen

Story
8/10
Gameplay
10/10
Präsentation
10/10
MP & Umfang
6/10
Fazit
9/10
Journey
User-Bewertungen
12345678910 9,00/10
3 Bewertungen
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