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Formel 1 2011
Die aktuelle Formel-1-Saison ist im vollen Gange und an spannenden Überholmanövern, dank der vielen Neuerungen, kaum zu überbieten. Da schickt sich Codemasters an, den jährlichen Rhythmus zu bedienen und geht mit F1 2011 in die nächste Runde. Dieses Mal hatten die Entwickler nicht nur mit den Neuerungen der Saison 2011 zu kämpfen, sondern sie reichen den Fans der Königsklasse des Motorsports auch das berühmt berüchtigte Safety-Car nach. Wie Codemasters das Reglement mit KERS, DRS und neuen Pirelli-Pneus umgesetzt hat, erfahrt ihr natürlich in unserem Review zu F1 2011 zum offiziellen Release in Deutschland am 23. September 2011. Liebe Bluplayer, start your engines! Formel 1 2011

GAMEPLAY
Letztes Jahr schafften es die Entwickler von Codemasters, aus dem sonnigen England, eine der Königsklasse würdige Simulation abzuliefern, die sowohl Profis, als auch Anfänger vollends zufrieden stellte. Mit der neuen Saison kommen aber nicht nur neue Strecken hinzu. Die FIA hat ordentlich das Reglement getunet und so sehen wir diese Saison das kinetische Energierückgewinnungssystem (kurz: KERS) das Drag-Reduction-System (kurz: DRS) und für die schwarze Gummierung der Rennboliden sorgt nun der italienische Reifenhersteller Pirelli, der mit seiner neuen Formel schon so manches Rennen entschieden hat diese Saison. Hinzu kommt noch, dass die Entwickler den Fans unbedingt das Saftey-Car ermöglichen wollten. Eine neue Rennstrecke in Indien feiert diese Saison ihr Debüt, der Nürburgring ist dieses Mal als Deutschland-Grand-Prix vertreten und zu alledem wollte man die Präsentation ein wenig aufpolieren und natürlich weiter am Gameplay feilen. Herrschaftszeiten – Das alles in einem Jahr hinzukriegen bedarf wirklich einiges an Arbeit. Aber fangen wir vorne an.

 

Bevor es endlich auf die Piste geht, müsst ihr euch als Einzelspieler entscheiden was ihr als erstes angehen wollt. Da wäre zu aller erst der Kernpunkt des Gameplay: Die Karriere. Ihr habt fünf Jahre Zeit um euch bis an die Spitze der Welt zu fahren. Ihr unterschreibt bei einem kleineren, oder mittlerem Team etwa HRT oder wenn ihr es gleich etwas schneller haben wollt Force India oder Williams. Anschließend bestreitet ihr alle 19 Grand Prix, Bahrain wurde auch in der Simulation von Codemasters gestrichen. Ihr könnt vor jedem Rennen die Schwierigkeit anpassen. So wählt ihr entweder einige Fahrhilfen zu oder ab und bestimmt die Stärke eurer KI-Gegner. Hobbyingenieure freuen sich über einige Einstellmöglichkeiten eurer Rennboliden. Ihr wählt nicht nur eure Reifensätze selbst, sondern bestimmt auch jede Menge Feinheiten wie etwa die Bodenfreiheit, die Winkel der Flügel, die Balance, Getriebeübersetung, Benzingemisch usw. Für alle jene, denen das zu viel ist, bietet das Spiel auch Schnelloptionen. Mit denen wird man aber keine Rekorde jagen.

 

Bevor wir endlich Gas geben können, gibt es aber noch ein paar Dinge zu beachten. In der aktuellen Formel-1-Saison gibt es wichtige, neue Regeländerungen. Der Heckflügel eines jeden F1-Piloten ist elektronisch verstellbar. Man verringert auf Knopfdruck den Luftwiderstand und erhält für diese Zeit einen Geschwindigkeitsbonus von guten 10-20 km/h, je nach Setup des Boliden. Das sogenannte DRS ist nun auch in F1 2011 auf Knopfdruck abrufbar. Zusätzlich hielt auch das KERS in allen Fahrzeugen Einzug. Auch hier gilt: Per Knopfdruck erhält der Fahrer bis zu 80PS zusätzlichen Schub aus einer Batterie im Heck, die sich durch Bremsvorgänge auflädt. Pro Runde darf der Fahrer 6,5 Sekunden lang mit KERS diesen Zusatzschub nutzen. Neben den Schaltvorgängen und einigen anderen Dingen, die ein realer Formel-1-Pilot zu bewerkstelligen hat, ist das eine ganze Menge Stress im Monocoque. Codemasters hat euch dort auch nicht verschont: KERS und DRS lassen sich nicht auf Wunsch automatisieren, wie etwa das Schalten oder das Bremsen. Das kann nicht nur hektisch werden, sondern sorgt auch dafür, dass ihr in Trainings- und Qualifikationsrunden ein ums andere Mal den Blick von der Strecke hin zum rechten unteren Bildrand wendet. Dort nämlich ist das Zeichen für den Ladezustand eurer PS-Batterie. Doch damit sind wir noch nicht am Ende, es wird nämlich noch komplizierter. Den Heckflügel dürft ihr im Rennen nur dann verstellen, wenn zwischen euch und eurem Vordermann genau oder weniger als eine Sekunde Abstand liegt und auch nur in den dafür vorgesehen Zonen. Das soll für mehr Überholvorgänge im realen Vorbild sorgen. Währen Trainings- und Qualifikationseinheiten dürft den Heckflügel nach Belieben verstellen. Doch Achtung, wer den Flügel zu früh öffnet, der verliert ruckartig zur falschen Zeit Abtrieb und dreht sich in wundervollen Pirouetten ins Kiesbett. Auch in langgestreckten Vollgaskurven kann ein Bolide mit grundsätzlich zu wenig Downforce abfliegen.
Das ist eine ganze Menge, die Codemasters da von euch abverlangt. Multi-Tasking par excellence! Hinzu kommt, dass man wohl zusätzlich an der Simulationsschraube der Fahrphysik gedreht hat. Die F1-Autos sind nun noch ein wenig bockiger. Zu spät die Lenkung geöffnet und euch passiert das gleiche wie oben beschrieben. Das geschieht relativ häufig, wie wir festgestellt haben. In F1 2011 ist im Vergleich zum Vorgänger einiges geschehen und wir behaupten, dass das Spiel schon fast nicht mehr mit dem guten alten DS3-Controller der Playstation zu bedienen ist. Selbst dann nicht, wenn alle Fahrhilfen eingeschaltet sind und ihr die Gegner-KI drosselt.
Um den schweren Einstieg nicht gleich auf die Karriere abzuwälzen, könnt ihr euch entweder einzelne Grand Prix herauspicken um zu üben, oder ihr geht auf Zeitenjagd im Trainingsmodus. Eine echte Einstiegshilfe bietet euch das Spiel leider nicht, weder Fahrschulen noch Tutorials werden euch angeboten. Stattdessen wird euch erklärt, wo euer Laptop steht. Wer sich im Gegensatz zu mir wenig mit der Königsklasse des Motorsport auseinandersetzt, hat also von den oben beschriebenen Regeländerungen und neuen Technikspielereien wenig Ahnung und steht allein im Regen.

 

Ob die Fahrphysik nun realistischer ist, können nur die echten Formel-1-Profis beurteilen. Doch mit dem Safety-Car und dem neuen Verhalten der Pirelli-Reifen kommen die Entwickler aus Birmingham der Sache gewiss ein Quäntchen näher. Gibt es einen zu schweren Unfall auf der Strecke, wird Bernd Mayländer gerufen, der seinen Mercedes mit allen Piloten im Gänsemarsch über die Piste jagt. Zudem erzeugen die neuen italienischen Pneus einiges an Gummiabrieb, der sich nun, wie auch in den TV-Übertragungen zu beobachten ist, neben der Ideallinie ansammelt. Ein Durchfahren dieses dreckigen Teils der Piste kann für Minuspunkte bei der Haftung sorgen. Dies sind einige Pluspunkte, die der Titel in Sachen Simulation einheimst. Allerdings gibt es immer noch einige Verbesserungen, die man sich schon seit F1 2010 wünscht. So ist die Rennleitung immer noch mehr als unfair bei der Erteilung von Strafen. Manchmal kann man sie noch nachvollziehen, etwa wenn man abkürzt. Wenn man sich aber verbremst und keinen Vorteil daraus zieht, müsste eigentlich Gnade vor Recht gelten. Es kommt auch vor, dass euch ein Hintermann in euer Heck fährt und ihr die Strafe dafür kassiert. Das ist unrealistisch und nagt gewaltig am Realitätsfaktor.
Gerne versperren euch eure KI-Kontrahenten auch mal den Weg, während ihr auf einer schnellen Runde im Qualifying seid und diese gerade die Boxengasse verlassen. Eine Strafe im Gegenzug dazu gibt es nicht – Schade! Auch der Boxenfunk klingt immer noch stark nach Vorgänger und wenig authentisch.

 

Im Rennen und besonders nach dem Start kommt es auch gerne zu den typischen Situationen, die man aus Arcade-Racern kennt. Man drückt einfach eine ganze Schippe später auf die Bremse und überholt mal eben das halbe Feld. Wer dabei keine Strafe kassiert, macht viele Plätze gut.
Was uns gut gefallen hat ist, dass man nun auch aus der letzten Reihe die Ampel beim Start sieht.
PRÄSENTATION
Hier hat sich relativ wenig zum Vorgänger getan um das gleich mal vorweg zu nehmen. Ihr habt immer noch relativ hübsche Strecken zur Auswahl und die Boliden kommen auch verflixt glaubhaft rüber. Sogar die Fahrer sehen mit ihren Helmen und ihren Sitzpositionen (einige sitzen ziemlich tief) verblüffend echt aus. Besonders aber die Regeneffekte sehen immer noch klasse aus und lassen einem eine Gänsehaut über den Körper ziehen, wenn der Regen ans Visier klatscht. Hinzu gekommen sind einige neue Animationen. Aber besonders die Frust-Animationen, wenn euer virtuelles Konterfei zum Beispiel die Kamera wegschlägt, sorgen nicht gerade für Authentizität oder Atmosphäre. Diese Sequenzen wirken deplatziert und unprofessionell genauso wie die Interviewer im parc ferme. Die Framerate ist solide, aber auch weit entfernt von flüssigen 60 Frames pro Sekunde. Das führt auch mal dazu, dass sie für eine kurze Zeit in den Keller sinken kann. Auch wenn es nur für kurze Zeit ist, in einer Racing-Simulation zur Königsklasse des Motorsports sollte das niemals auftreten.
Schade ist auch, dass es kaum ein Schadensmodell gibt. Außer ein paar Frontflügel gibt es hier wenig fliegende Teile. Zwar sieht die Fahrbahn ab und an wie ein Schlachtfeld auf, was positiv zu vermerken ist, aber selbst als wir uns mit unserem Boliden mehrmals überschlugen, fiel bloß der Frontflügel ab – der ist aber auch verflixt lose befestigt. Der Sound macht, abgesehen von dem eher durchwachsenen Boxenfunk, eine besonders gute Figur. Die Boliden klingen nicht nur absolut authentisch, sondern auch wie ihre jeweiligen Vorbilder. Wer also das Team wechselt, muss sich erst ein Mal an den neuen Sound gewöhnen. Obwohl das Spiel euch zu Beginn eine Zwangsinstallation abverlangt, gibt es ab und an auch Ladezeiten zu verschmerzen. Die flimmernden Kanten hier und da hätten wir auch gerne geglättet gesehen. Auf der Piste macht der Titel aber eine durchweg gute Figur.

 

MULTIPLAYER
Ihr könnt, sobald ihr keine Lust mehr auf die KI-Gegner habt, euch auch gegen echte Spieler messen. Dazu stehen euch sowohl der Split-Screen für zwei Spieler an einer Konsole zur Auswahl, oder aber ihr geht mit bis zu 15 Spielern auf eine Online-Competition. Die restlichen Monocoques werden von KI-Piloten besetzt. Ob man dort allerdings gegen die vielen guten Fahrer, die vielleicht mit einem Lenkrad und Pedalen spielen bestehen kann, bleibt euch überlassen. Im Split-Screen büßt ihr zudem einiges an Performance ein. Für Online-Verabredungen sollte der Online-Modus aber allemal reichen.

 

EXTRAS & UMFANG
Sportspiele sind auch immer Endlosspiele. Ihr werdet, auch wenn der Karrieremodus von bisher 7 auf 5 Jahre gekürzt wurde, einige Stunden Fahrspaß aus F1 2011 herausholen. Die Jagd gegen die Zeit und gegen euch selbst wird dabei nie langweilig. Fragt sich nur wie lange der Karrieremodus auf Dauer motivieren kann mit seiner eher dürftigen Präsentation und den immer gleichen Standartantworten auf Standartfragen. Wer aber online spielt und zudem keinerlei Probleme mit dem Leben im Fahrerlager hat, kann sich bis zur neuen Saison sicher einige Stunden vergnügen. Wer das Spiel richtig meistern möchte und auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad „Legende“ bestehen möchte, wird sicher noch sehr viel länger Freude am Spiel haben.

 

FAZIT
Unterm Strich erwartet uns mit F1 2011 nicht sonderlich viel Neues im Vergleich zum Vorgänger. Gute Dinge wurden genauso konsequent beibehalten, wie die schlechten. Das ist aber nur der erste Blick. Auf dem zweiten erkennt man, dass die Entwickler viel Zeit in die neuen Regelungen investieren mussten. Und dann waren sie ja den Fans auch noch das Safety-Car schuldig. Diese Umstände lassen das ein oder andere Auge zudrücken. Besonders schwer werden es absolute Neulinge haben. Wer F1 2011 nur mal eben mit seinen Kumpels und ein paar Bier im Split-Screen zocken möchte, wird sehr schnell untergehen. Dieses Spiel verlangt einiges an Konzentration und Übung von euch ab. Die Neuerungen sind definitiv nichts für schwache Nerven. Wir empfanden es als zu schwer mit dem guten alten Pad. Zwar spielt man Racing-Simulationen eher mit gescheitem Lenkrad und Pedalen, aber gerade Einsteigern wird dies nicht einfach fallen. Außerdem machen Genre-Konkurrenten wie Gran Turismo 5 es deutlich besser vor. Mit Fahrschulen und Tutorials kann man dort seine Skills auch mit einem Pad ausbessern und sich langsam aber sicher an die großen Aufgaben tasten und später den Kauf der teuren Hardware in Betracht ziehen.
Eingefleischte Formel-1-Freunde werden mit der messerscharfen Fahrphysik aber ihre Freude haben. Grund zur Trauer gibt’s leider bei der Präsentation, der KI und der unfairen Strafen. Hier sollten die Entwickler aus Birmingham einen Patch nachreichen.
Fakt ist, dass die neue Formel 1 sehr viel schwieriger zu bewältigen ist als die alte. Ob das nun eine waschechte Simulation ergibt, bleibt jedem selbst überlassen. Kenner der Serie werden sich ein wenig eingewöhnen müssen und Neulinge müssen einiges an Nerven aufbringen. Dieser Aufwand kann sich aber durchaus lohnen.

 


Bewertungen

Story
/10
Gameplay
8.5/10
Präsentation
8/10
MP & Umfang
8/10
Fazit
8.5/10
Formel 1 2011
User-Bewertungen
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