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Up in the Air
„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ heißt es in Reinhard Meys Song aus dem Jahre 1974. Tatsächlich brachte Paramount Pictures mit „Up in the Air“ einen Film in die Kinos und auf Blu-ray Disc, der scheinbar genau die Thematik aus dem Song des deutschen Musikkünstlers beinhaltet. Wir haben die Blu-ray noch ein Mal hervorgekramt und bitten euch nun das Surfen im Internet einzustellen und euren Monitor in eine aufrechte Position zu bringen, denn wir verraten euch, ob der Film mit George Clooney in der Hauptrolle eine Bruchlandung hinlegt, oder sanft in die blauen Herzen der Blu-ray-Gemeinde gleitet. Up in the Air

STORY

Ryan Bingham (George Clooney) ist ein unglaublich organisierter Mann. Jedes T-Shirt, jedes Hemd und jede gepunktete Krawatte hat seinen Platz in seinem treuen schwarzen Koffer-Trolley. Ryan braucht dieses durchstrukturierte System, denn sein ganzes Leben befindet sich in diesem Stückchen Handgepäck. Alles was er besitzt, reist ständig mit ihm. Und das ist nicht gerade selten. Er hebt ganze 322 Tage im Jahr geschäftlich ab um sich über den Wolken auf seinen neuen Auftrag vorzubereiten. Sein Job kann man nicht gerade als gewöhnlich bezeichnen. Für fremde Firmen verrichtet er die Arbeit, für die sich die eigenen Chefs zu fein sind: Er entlässt Mitarbeiter. In Zeiten der Weltwirtschaftskrise boomt das Geschäft natürlich gewaltig für Ryans Firma. Doch nach den Jahren allein und verlassen in den Lüften über der Erde, hat er nur ein einziges Ziel: Er will als siebter Mensch auf diesem Planeten die Vielfliegergrenze von 10 Millionen Meilen überschreiten.

Doch sein abgeschottetes Leben in luftiger Höhe, klimatisierter Raumluft und Tomatensaft wird von einer jungen Dame namens Natalie Keener (Anna Keendrick) gestört. Die Harvard-Absolventin platzt mit einer neuen, innovativen Idee in die Firma und bringt Ryans Leben damit mächtig in Turbulenzen. Sie will in der Firma ein Netzwerk aus PCs und Webcams installieren, welches das viele Reisen der Mitarbeiter überflüssig macht. Vom Hauptquartier aus sollen die Mitarbeiter der fremden Firmen in Zukunft ihrer Jobs entledigt werden.

Zu allem Überfluss hat er nicht nur Natalie in den nächsten Wochen im Außendienst am Hals, damit sie die Realität kennenlernt, sondern er lernt auch eine schlagfertige Geschäftsfrau kennen. Alex (Vera Farmiga) scheint das gleiche Leben wie Ryan zu leben und er findet in ihr sofort eine Seelenverwandte. Vielleicht ist das Leben am Boden mit Familie und Kindern ja doch nicht so schlecht, wie Ryan es in seinen Vorträgen immer predigt.

 

„Up in the Air“ behandelt ein Thema in Spielfilmlänge, das in dieser Form nur sehr selten anzutreffen ist. Es geht um das Alleinsein. Was geschieht mit Menschen, die es sich zum Ziel gemacht haben einsam durch ihre Lebenszeit zu gehen, oder zu fliegen? Sehr sensibel werden die Charaktere eingeführt und mit der Zeit versteht man jeden Standpunkt und kann ihn gut nachvollziehen. Ryans neuer Schützling, Natalie, zeigt sich nämlich sichtlich betroffen von der Einstellung des Routiniers. Die verschiedenen Lebensweisen kollidieren im Film permanent. Am bildlichsten wird dies durch die Pappfigur von Ryans Schwester und ihrem zukünftigen Ehemann deutlich. Der Businessanzug tragende Mann von Welt soll das Schild auf seinen vielen Reisen vor Sehenswürdigkeiten halten und es dann fotografieren. Das gediegene Eheleben, mit Alltagskleidung und einem zu kleinen Budget in der Haushaltskasse, um sich die Reisen tatsächlich finanzieren zu können, kracht geradezu metaphorisch gegen Ryans Lebensstil des sterilen Alleinseins. Das Drehbuch ist mit seinen vielen tiefsinnigen und fein ausgearbeiteten Dialogen sicherlich eines der ruhigeren. Es regt permanent zum Nachdenken ein. Clooney brilliert in dieser Rolle außerordentlich. Es scheint so, als könne keiner den „Lonesome Rider“ besser verkörpern als er. Mit viel Hingabe spielt sich aber das gesamte Ensemble in die feinfühlige Geschichte und so wird „Up in the Air“ zu einer Meisterstudie des menschlichen Zusammenlebens.

 

BILD

Das formatfüllende Bild der Blu-ray im Ansichtsverhältnis 1.85:1 weiß durchweg zu überzeugen. Der Transfer von Paramount Home Entertainment besticht durch natürliche Farben, die nur in wenigen Szenen durch den Einsatz von Filtern etwas kräftiger wirken und durch einen hohen Schwarzwert. Diese Kombination sorgt für eine tolle Tiefenwirkung und viel Plastizität. Leidet das Intro von „Up in the Air“ noch unter starkem Korn und verrauschten Details, kommt der Rest des Films gestochen scharf und durchweg ansehnlich rüber. Texturen und Details sind fein nuanciert, wobei die Inszenierung bodenständig bleibt bei einem derart abgehobenen Plot. Schnelle Schnitte und hastige Kamerafahrten suchen wir vergebens. Dafür werden wir mit realistischen und teilweise wirklich schönen Aufnahmen, besonders wenn es ums Fliegen geht, belohnt.

 

SOUND

Die deutsche Tonspur liegt als 5.1 Dolby Digital Master vor.  Das ist erschreckender Weise Gang und Gebe auf dem deutschen Blu-ray-Markt und somit mehr als unerfreulich für diesen Release. Zugegeben, aus einem Film, der auf ruhige Dialoge setzt, wenig Score verwendet und keinerlei Actionszenen bietet, ist es schwer einen Unterschied zur normalen HD-Spur zu finden. Doch die fein ausgearbeitete und dynamische Spur in Originalsprache macht einiges her. Besonders die Räumlichkeit in belebten Szenarien kommt auf der englischen HD-Spur besser zur Geltung. Auf der deutschen Dolby-Digital-Spur wirkt der Film doch etwas frontlastig. Dennoch sind alle Dialoge des Films, wobei jede Zeile von Bedeutung ist, absolut fein ausgearbeitet. Man versteht jede Silbe und ein Nachjustieren auf der Fernbedienung, wenn es doch mal lauter wird, ist überflüssig. Feinste Fluggeräusche im Hintergrund und der spärliche eingesetzte Score harmonieren prächtig mit den Dialogen des Films. Einen Unterschied zur HD-Spur kann man aber feststellen und so bleibt es weiterhin fraglich warum wir keinen HD-Sound auf Deutsch bekommen.

 

EXTRAS

An Extras liegen ein Audiokommentar mit Regisseur Jason Reitman, Kameramann Eric Steelberg und Regieassistent Jason Blumenfeld, die Features „Schattenspiel: Vor der Geschichte“, „American Airlines Streich“, Trailer, entfernte Szenen, Storyboards sowie das Musikvideo „Help Yourself“ von „Sad Brad Smith“ vor. Alles an Zusatzmaterial ist zudem in High Definition vorhanden. In „Schattenspiel: Vor der Geschichte“ bekommen wir tiefere Einblicke vor allem in die Entstehung des Intros von „Up in the Air“ und die Unterschiede zu den anderen Werken von Reitman, „Juno“ und „Thank you for Smoking“ an denen die gleiche Produktionsfirma beteiligt war.  In die Storyboards sowie die entfernten Szenen kann man noch einen Blick werfen, auch der Musik-Clip ist eine nette Dreingabe. Insgesamt fällt das Zusatzmaterial aber eher mau aus. Da wäre sehr viel mehr drin gewesen.

 

FAZIT

Regisseur Jason Reitman hat mit „Up in the Air“ ein Mal mehr sein Talent bewiesen mit intelligenten Filmen den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Das Schauspielensemble ist toll und vor allem George Clooney spielt den fein nuancierten Charakter des Ryan Bingham mit viel Hingabe. Technisch gibt es in Hinblick auf das Bild der Blu-ray wenig zu beanstanden, beim Sound hingegen werden viele Punkte verschenkt ob der enttäuschenden Abspeisung mit einer Dolby-Digital-Spur. Durch die Extras der Blu-ray von Paramount Home Entertainment kann man sich durchklicken, einen echten Mehrwert bieten sie aber nicht. Es ist die Geschichte und das tolle Schauspiel, die bis zum tollen Ende fesseln. Die Flucht des Protagonisten in die Lüfte vor der bitteren Wahrheit auf dem Boden der Tatsachen macht diesen Film zu einem ganz besonderen und bekommt daher von uns zu Recht die Bestnote. Und um den Bogen zu Reinhard Mey zurückzuschlagen, heißt es im Song weiter:

„Alle Ängste, alle Sorgen sagt man blieben darunter verborgen…“

 

 


Bewertungen

Story
10/10
Bild
8/10
Sound
7/10
Extras
5/10
Fazit
9/10
Up in the Air
User-Bewertungen
12345678910 9,00/10
1 Bewertungen
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Gronka
27. Juni 2012 um 09:20 Uhr

Top Review zu einem Top-Film! Ich war auch sehr begeistert und hatte vor dem Kauf der Bluray gar nicht mit so einem Kracher gerechnet. Der Film ist auch zurecht für den Oscar nominiert gewesen.

Kyanu
27. Juni 2012 um 09:27 Uhr

Dankeschön. :)
Ja, mein Kumpel gab mir den damals in die Hand und ich dachte das wäre so eine Liebesschnulze mit dem Goerge und dann so ein toller Film!

Bill Morisson
27. Juni 2012 um 22:07 Uhr

Der Film muss alleine schon durch Clooney richtig gut sein, er passt einfach perfekt zu solchen Rollen :)


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