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The Hunter
Willem Dafoe begibt sich in "The Hunter" auf die beschwerliche Reise in die Wildnis Tasmaniens, um für seine Auftraggeber eine sagenumwobene Kreatur zu suchen, die als ausgerottet gilt. Ob es sich lohnt, ihn dabei zu begleiten und das Geheimnis des Tasmanischen Tigers zu lüften, erfahrt ihr in unserem Review. The Hunter

STORY

Kein anderes Wesen auf Erden hat unseren Planeten so nachhaltig geprägt, wie der Mensch. Bersonders schmerzlich wird uns dies immer dann bewusst, wenn eine Spezies durch unsere Hand ausgelöscht wird und für immer verschwindet. Ein vermeintliches Opfer der menschlichen Gier und Rücksichtslosigkeit ist auch der Beutelwolf, besser bekannt als Tasmanischer Tiger. Vermeintlich, weil zwar laut einhelliger Expertenmeinung das letzte Exemplar des größten fleichfressenden Beuteltieres 1936 im Zoo von Hobart (Tasmanien) starb, angebliche Meldungen über Sichtungen von überlebenden wilden Exemplaren aber nicht abreißen. Neugierige Naturen werden nicht zuletzt im Internet unzählige Spekulationen und Theorien dazu finden. Zusätzlich angeheizt wird das Thema von der Tatsache, dass es bis heute nicht gelungen ist, intakte DNA-Proben dieser Spezies zu isolieren. Eine Rekonstruktion des Beutelwolfes scheint damit aussichtslos. Eben jener Mythos bildet auch den Kern des neuen Films von Daniel Nettheim, der den Zuschauer im Thriller “The Hunter” auf eine bemerkenswerte Reise in die Tiefen Tasmaniens und der menschlichen Seele entführt. Als literarische Vorlage diente dabei der gleichnamige Roman von Julia Leigh.

 

Martin David (Willem Dafoe), seines Zeichens Söldner alter Schule, wird vom deutschen Bio-Tech Konzern “Red Leaf” angeheuert, um in der Wildnis Tasmaniens einer Spur des Tasmanischen Tigers nachzugehen. Diese Spur scheint, im Gegensatz zu den üblichen Sensationsmeldungen im Internet, aus vertrauenswürdiger Quelle zu stammen. Die Konzernspitze von Red Leaf will den Wettlauf um verwertbares genetisches Material des vielleicht wertvollsten Tieres des Planeten für sich entscheiden. Koste es, was es wolle.

In Tasmanien angekommen wird Martin David bei der depressiven Lucy Armstrong (Frances O’Connor) und ihren beiden Kindern Sass (Morgana Davies) und Bike (Finn Woodlock) einquartiert. Ihr Mann hat sich als Umweltaktivist in der einheimischen Holzindustrie keine Freunde gemacht und gilt nach einer Expedition ins tasmanische Hinterland seit nunmehr acht Monaten als verschollen. Unterstützung erhält die Familie lediglich vom ortsansässigen Naturkundler Jack Mindy (Sam Neill) und einer Gruppe Umweltaktivisten, die die Abholzung des tasmanischen Urwaldes verhindern wollen. Inmitten eines sich zuspitzenden Familiendramas und einem erbittertem Kampf zwischen Forstarbeitern und Umweltschützern versucht David sein eigentliches Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und Tasmanien sein größtes Geheimnis zu entreißen.

 

 

Die Suche nach dem Tasmanischen Tiger steht dabei sinnbildlich für die Suche eines einsamen Mannes nach Vergebung. Eine ausgerottete Spezies führt uns Menschen nur allzu deutlich vor Augen, dass es irgendwann kein Zurück mehr gibt und wir unsere Taten nicht ungeschehen machen können. Nur ein ein kleiner Hinweis, ein unscharfes Foto, ein wackeliger Film reichen jedoch, um uns hoffen zu lassen. Zu hoffen, alles wieder zum Guten wenden zu können. Dieses Leitmotiv durchzieht den Film von der ersten bis zur letzten Sekunde und fesselt den Zuschauer.

Doch während dieser Aspekt wunderbar herausgearbeitet wurde, bleibt der Konflikt zwischen Industrie und Umwelt zu einseitig bzw. oberflächlich. Umweltaktivisten wie Forstarbeiter werden stark stereotypisiert, gut und böse zu scharf abgegrenzt. Eine etwas differenzierte Darstellung, ohne platte Klischees von kiffenden Ökos und pöbelnden Hinterwäldlern hätte dem Film wirklich abgerundet. Nichtsdestotrotz ist “The Hunter” absolut sehenswert, was nicht zuletzt an der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Willem Dafoe liegt. In Verbindung mit dem einzigartigem Setting ergibt sich eine reizvolle Komposition für besondere Heimkino-Tage.

 

 

BILD

Leider, leider kommen die beeindruckenden Naturaufnahmen Tasmaniens im vorliegenden 2,35:1 Cinemascope Transfer kaum zur Geltung, da das Bild von mehreren Problemen geplagt wird. Die Schärfe liegt zwar insgesamt auf ordentlichem Niveau, allerdings ist der Schwarzwert des Transfers ungenügend. Dadurch wird der Kontrastumfang enorm beschnitten, was z.B. bei der Hausbesichtigung am Beginn des Films deutlich zu Tage tritt. Ein Grauschleier scheint über dem Bild zu liegen und genau das steht den ohnehin flauen Farben der tasmanischen Natur nicht gerade gut zu Gesicht. Hier ist eine Menge Potential ungenutzt geblieben, denn der Film bietet viele atmosphärische Szenen aus den Tiefen des tasmanischen Urwaldes, die durch die genannten Mängel deutlich an Faszination einbüßen.

 

 

SOUND

Großes Lob von meiner Seite an den deutschen Filmverleih Ascot Elite, denn neben der englischen Tonspur liegt auch die deutsche Sprachausabe in DTS-HD Master Audio 5.1 vor. Bis heute ist das selbst bei großen Filmproduktionen längst kein Standard und ärgert viele Besitzer hochwertiger Heimkino-Anlagen. Umso erfreulicher ist das vorliegende Beispiel. Ein Effektfeuerwerk sollte der Zuschauer angesichts des Settings und der Thematik nicht erwarten, insgesamt gibt sich die Räumlichkeit eher zurückhaltend. Umso besser gefällt mir der sehr gefühlvolle Score, der die Stimmung einer Szene hervorragend einfängt und Emotionen zu wecken weiß. In ausgewählten Szenen kommt auch der Subwoofer effektvoll zum Einsatz, was die Atmosphäre nochmals unterstreicht.

 

 

EXTRAS

Neben dem Original-Trailer in englischer und deutscher Sprache befindet sich eine üppige Trailershow sowie ein vierteiliges Making-Of auf der Blu-ray. Letzteres ist unterhaltsam und geizt glücklicherweise mit überschwenglicher Selbstbeweihräucherung. So werden tiefere Einblicke in die Story, Charaktere, Tasmanien und Mythen um den Tasmanischen Tiger gewährt und das ein oder andere interessante Detail über die beschwerlichen Dreharbeiten preisgegeben. Kein Must-See, aber nett anzuschauen.

 

 

FAZIT

“The Hunter” ist ein nachdenklicher, melancholischer Film und dementsprechend ein Kontrastprogramm zu vielen aktuellen Releases. Mich hat Daniel Nettheim positiv überrascht und über den Abspann hinaus sehr nachdenklich gestimmt. Ist es wirklich wünschenswert, dass irgendwo da draußen eine Spezies unseren Wahn überlebt hat, wenn gleichzeitig sensations- und profitgierige Menschen nur darauf lauern, die gleichen Fehler von einst zu wiederholen?

 

Ein besonderes Kompliment geht an Willem Dafoe, der es erneut geschafft hat, in seiner Rolle vollends aufzugehen und die Entwicklung eines Charakters glaubhaft darzustellen. Da fällt es mir persönlich auch nicht schwer, über die ein oder andere technische Macke hinwegzusehen, denn dieser Film lebt von seiner – in Teilen sicher kontroversen – Botschaft. Ein wirklich außergewöhnliches Filmerlebnis, welches ich jedem Cineasten ans Herz legen möchte!

 

 


Bewertungen

Story
8/10
Bild
6/10
Sound
7/10
Extras
6/10
Fazit
8/10
The Hunter
User-Bewertungen
12345678910 8,00/10
1 Bewertungen
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