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Hugo Cabret [3D Blu-ray]
Martin Scorseses „Hugo Cabret“ konnte bei den Academy Awards 2012 ganze fünf der begehrten goldenen Trophäen abstauben. Nun veröffentlicht Paramount Home Entertainment das Abenteuer auf Blu-ray Disc in einem mächtigen Paket zusammen mit der 3D-Version des Films. Wir haben uns sowohl die 2D-, als auch die 3D-Version von „Hugo Cabret“ für euch noch vor dem offiziellen Release in Deutschland, am 16. August 2012, genau angesehen. In unserem Review erfahrt ihr alles Wissenswerte. Hugo Cabret [3D Blu-ray]

STORY

Im Südwesten von Paris liegt der Bahnhof Montparnasse. Im Jahre 1931 steigen Menschen in die Züge ein und aus, genehmigen sich eine Tasse Kaffee oder kaufen Blumen. In dem Gewusel und dem hektischen Treiben der Reisenden fällt ein kleiner Junge namens Hugo Cabret (Asa Butterfield) nicht sonderlich auf. Zudem versteckt sich der Waise in den gigantischen Kulissen dieser Bahnhofsmaschinerie. Er lebt in den Gemäuern des alten Bahnhofs und kümmert sich um die riesigen Uhrwerke. Sein Vater (Jude Law), der ihn den Umgang mit den kleinen Uhrwerken lehrte,  starb bei einem Brand. Eines Tages brachte er eine Art Roboter mit nach Hause, der wie eine Aufziehuhr funktionierte. Eine mysteriöse Gestalt, die von Vater und Sohn  von nun an repariert werden sollte. Als sein Vater jedoch starb,  nahm sein herzloser Onkel (Ray Winstone) ihn mit und verdonnerte ihn dazu, seinen Job, eben jene Uhrwerke des Montparnasse, im Stand zu halten. Alles, was Hugo greifen konnte, war der kleine Roboter. Allein und in fast völliger Isolation versucht er nun seinen einzigen Freund zu reparieren in der Hoffnung eine Botschaft seines Vaters zu finden. Denn laufen erst ein Mal alle Zahnräder im Inneren des metallischen Freundes, beginnt er zu schreiben. Ein kleiner Geschenkladen im Bahnhof dient Hugo als Ersatzteillager. Da der mittellose Junge die Teile allerdings klauen muss, um das unfertige Projekt zu vollenden, ist der Besitzer,  Georges Méliès (Ben Kingsley) gar nicht erfreut darüber. Zudem erschwert der strenge Stationsaufseher (Sacha Baron Cohen) Hugos Alltag. Mit seinem großen Wachhund, entgeht dem humpelnden Wachmann fast nichts.

 

Als Papa Georges Hugo eines Tages beim Stibitzen ertappt, entreißt er dem Jungen sein Notizbuch. Die Detailzeichnungen und mechanischen Skizzen des Roboters, die er auf den Seiten findet, lassen den Griesgram erschrecken. Er nimmt das Notizbuch mit und kündigt an es bei sich zu Hause zu verbrennen. Der völlig entgeisterte und verängstigte Hugo will das nicht wahrhaben und trottet dem Alten durch den Schnee den weiten Weg bis zu dessen Appartement hinterher. Als die Tür kalt und herzlos vor dem Jungen zugeschlagen wird, erblickt Hugo im Fenster der warmen Stube das Mädchen Isabelle (Chloë Grace Moretz). In der Vermutung Georges Méliès sei ihr Großvater, bemüht er sich um ihre Mithilfe. Und tatsächlich willigt der erste nette Mensch, der ihm seit dem Tod seines Vaters begegnet, ein ihm zu helfen. Sie verspricht ihm, dass der alte Ladenbesitzer sein mysteriöses Notizbuch nicht verbrennen wird. Am folgenden Tag scheint es erst als hätte Isabelle nicht Wort halten können, als Georges die Asche des Notizbuchs dem Jungen überreicht. Doch seine Freundin Isabelle erzählt ihm, dass Papa Georges nur bluffte. Er soll sogar geweint haben, als er nach Hause kam. Nun beginnen die zwei sich in ein mystisches Abenteuer zu stürzen und einige Geheimnisse ans Tageslicht zu bringen, die eigentlich im Verborgenen bleiben sollten.

 

Die Inszenierung von Martin Scorsese beginnt spannend und legt ein tolles Pacing an den Tag. Die scheinbar verworrene Geschichte verspricht ein Abenteuer, das viele Scorsese-Fans sogleich an die spannungsgeladenen Meisterwerke „Departed – Unter Feinden“ oder „Shutter Island“ denken lässt. Auch das Ensemble spielt sich herrlich ein wodurch zumindest die drei Hauptcharaktere sehr rund dargestellt werden. Jedoch verblassen die vielen Nebendarsteller oft zu belanglosen Nebenakteuren, die für die eine oder andere Slapstick-Einlage herhalten müssen. Generell finden sich relativ viele Längen im Drehbuch wieder, die den Plot keineswegs vorantreiben noch die Charaktere tiefer zeichnen. Nach gut zwei Dritteln des Films wird auch langsam deutlich wohin die Reise geht und was es mit der mystischen Eisenpuppe auf sich hat. Den tollen Spannungsbogen vom Anfang kann auch die famose Inszenierung eines Scorseses nicht aufrecht halten. Am Ende bleiben für ein gestandenes Publikum zwar eine tolle Botschaft und eine rührende Huldigung an das Kino stehen, Freunde komplexer Geschichten sehen sich aber mit einer recht simplen und trivialen Geschichte, die viel Herz hat aber viel Potential verschenkt, konfrontiert.

 

BILD

Das MPEG-4 AVC kodierte Bild von Paramount Home Entertainment fesselt einen gestandenen Heimkinofreund auf den ersten Blick. Wir sehen knackige Farben und dank des vortrefflichen Schwarzwertes grandiose Kontraste. Die Plastizität ist in jeder Szene gegeben. Textilien und Haare werden gestochen scharf dargestellt und auch alle anderen Materialien von Kupferblechen, über Bleirohre und Stahlträger werden detailreich und realistisch wiedergegeben. Viele Kulissen sind am Computer entstanden. Dennoch wirken sie stimmig und tragen zum grandiosen Gesamteindruck bei. Das Paris der 30er Jahre erstrahlt in einem märchenhaften Glanz der kalten Winterabende. Die kuriosen Kamerafahrten durch das Innere des Bahnhofs machen Spaß und die Kostüme der Protagonisten sowie die Staffage des Sets lassen einen tief in die damalige Zeit eintauchen und den Hauch von Steampunk genießen. Frei von Kompressionsartefakten und Körnung lässt das Bild von Paramount Home Entertainment keinerlei Wünsche offen.

 

3D BILD

Was in der zweiten Dimension prima funktioniert muss nicht zwingend auch auf die dritte zutreffen. Ich bin bekennender Skeptiker der 3D-Technologie, auch weil die Erfahrung gezeigt hat, dass der Effekt meist enttäuschend ist. Doch „Hugo Cabret“ sollte mich eines Besseren belehren. Gleich die erste Einstellung zeigt wozu diese Technik in der Lage ist. Wir sehen über die gesamte Spiellänge plastische Körper und scharfe Konturen. Ein Close-Up von Kingleys bärtigem Gesicht ist so gestochen scharf und dennoch in verschiedene Ebenen Unterteilt, dass es einem schier die Sprache verschlägt. Die permanenten Sprünge vom Mikro- in den Makrokosmos und zurück machen besonders viel Freude in der dritten Dimension. Der 3D-Effekt lebt hier natürlich auch von den vielen CGI-Szenen. Auch das formatfüllende Ansichtsverhältnis von 1.78:1 unterstützt den Videotransfer. Die absolute Stärke des 3D-Effekts ist aber, dass man als Zuschauer mehrere Ebenen definieren kann. Die Tiefenwirkung ist dadurch superb. Für 3D üblich, wird die Helligkeit etwas hochgeschraubt, was auch den Schwarzwert ein wenig mindert. Insgesamt ist das 3D-Bild aber vorzüglich.

 

SOUND

Leider hat es bei Paramount Home Entertainment ein Mal mehr nicht zu einer HD-Spur auf einem HD-Medium gereicht. Wer die deutsche Tonspur wählt, gibt sich gezwungener Maßen mit Dolby Digital 5.1 zufrieden. Wer auf englisch stellt, wird mit einer DTS-HD Master 7.1 Spur belohnt. Dennoch gibt die DD-Spur wenig Ansatz zur Kritik. Dialoge sind klar verständlich und die wenigen Effekte des Films kommen wuchtig über euren Subwoofer.  Auch mit Räumlichkeit kann die Tonspur punkten. Der Soundtrack lässt einen parallel zu den teilweise malerischen Bildern tief ins Paris der 30er Jahre reisen.

 

EXTRAS

Paramount Home Entertainment füllt die Amaray von „Hugo Cabret“ mit drei Discs, zwei Blu-rays und eine DVD. Wir erhalten auf der ersten den Hauptfilm in 2D samt Special Features. Diese sind: „Auf den Mond geschossen: Das Making-Of von Hugo“, „Der Kinomagier, Georges Méliès“, „Große Effekte, kleiner Maßstab“, „Der mechanische Mann im Mittelpunkt von Hugo“ und „Sacha Baron Cohen: Die Rolle des Lebens“.

Auf der zweiten Disc erhalten wir die 3D-Version des Films, während wir mit einer dritten Scheibe die DVD-Version erhalten.  Krönender Abschluss des Pakets ist die digitale Kopie, die ihr via Code erhaltet.

 

Das Making-Of hat leider nicht viel mehr übrig als die üblichen Interviews, die nur so vor schmalzigen Huldigungen für den Regisseur triefen, dass man sich lieber fremdbeschämt abwendet. Besonders schlimm wird es bei der jungen Chloë Grace Moretz.  Die Einblicke hinter die Kulissen und in die Technik des Filmes halten sich eher bedeckt. Mit der kleinen Doku über den Magier Georges Méliès können die Special Features dann wieder etwas mehr punkten. „Große Effekte, kleiner Maßstab“ ist sehr sehenswert. Hier erfahren wir, wie im Modell mit dem Maßstab 1:4 das Zugunglück nachgebaut wurde. Dieses ereignete sich übrigens tatsächlich im Jahre 1895. „Sacha Baron Cohen: Die Rolle des Lebens“ muss man mit einem Augenzwinkern betrachten. Wir sehen den herrlich trockenen Humor des Komikers in diesem kurzen Clip.

 

FAZIT

Hugo Cabret ist ein sehr melancholischer Film, der gerne mit dem Finger in der seelischen Wunde des kleinen Jungen puhlt. Das Drehbuch besitzt Längen und über manche Szene schafft man es nur mit einem Seufzer. Der Film ist viel mehr eine Hommage ans Kino als ein waschechter Kinderfilm. Gerade ein Mal die wenigen Slapstick-Einlagen eines Sacha Baron Cohen erinnern an die FSK-6-Freigabe. Visuell ist der Film eine absolute Wucht. Was Regisseur Martin Scorsese an Bildfeuerwerken liefert, sucht seines Gleichen. Auch die 3D-Effekte sind phänomenal, zusammen mit einem fantastischen Bild haben wir nichts Geringeres als Referenzmaterial vorliegen. Obligatorischen Punktabzug gibt es, wie sooft, beim Sound. Die Extras sind einen Blick wert, liefern aber gestandenen Cineasten zu wenige Informationen. Freunde des großen Kinos, die von der Story wenig erwarten und sich von einer tollen Inszenierung in eine märchenhafte Welt entführen lassen wollen, werden hier mehr als gut bedient. Die fünf Oscar-Trophäen gehen in jedem Fall in Ordnung und Paramount Home Entertainment liefert eine dem Film würdige Blu-ray ab.

 

 

 

 

 


Bewertungen

Story
8/10
Bild
10/10
Sound
8/10
Extras
7/10
Fazit
8/10
Hugo Cabret [3D Blu-ray]
User-Bewertungen
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2 Bewertungen
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LoneStarr
8. August 2012 um 15:19 Uhr

Tolles Review! Mir hat der FIlm sehr gut gefallen, gerade wegen seinen tollen 3D Effekten und dieser Märchenhaften Inszenierung. Ist kein so klassischer Streifen, das hat mir gut gefallen. Auch wenn ich den Metallmann irgendwie unheimlich fand xD

Kyanu
8. August 2012 um 17:58 Uhr

Den hätte ich soo gerne als Collectible. :D

Danke, btw.


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