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Hard Candy
Wir leben in Zeiten, in denen Selbstjustiz einen Stellenwert angenommen hat, der ein beängstigendes Ausmaß einnimmt. Doch inwieweit kann man den Schritt hin zu absoluter Macht über alles was unser soziales Leben bestimmt rechtfertigen? Wenn ich euch jetzt sage, dass ihr euch genau diesem Gedankengang mehr als ein Mal konfrontiert seht und dies vielleicht sogar in eine Richtung, die ihr normalerweise verwerflich empfinden würdet, seid ihr noch gut bedient. Mit "Hard Candy" beschreitet Regisseur David Spade einen Weg, der grenzwertiger nicht ausfallen konnte. Während die weibliche Hauptrolle von einer noch sehr jungen Ellen Page (Juno, Inception) im wahrsten Sinne des Wortes gestemmt wird, nimmt sich Patrick Wilson (Das A-Team, Insidious) dem männlichen Konterpart an und verkörpert diesen mit einer Inbrunst, die beeindruckender nicht hätte sein können. Erfahrt hier warum ein Film, der kaum 18 Drehtage hat, an Spannung viele Blockbuster in den Schatten stellt. Hard Candy

Story

 

Zu Beginn des Films verfolgen wir einen kurzen Chat zwischen zwei Personen, Hayley Stark (Ellen Page) und Jeff Kohlver (Patrick Wilson). Im Verlauf des Chatgesprächs zwischen den beiden wird schnell klar in welche Richtung der Film geht. Nach dem üblichen online Geplänkel wird sich spontan zu einem Date verabredet. Während den nächsten paar Minuten sieht man wie der charismatische Fotograf Jeff sein ganzes Repertoire an Floskeln zum Besten gibt, um die vermeintlich beeindruckte 14-jährige Hayley in seinen Bann zu ziehen. Im Laufe des Gesprächs wird dennoch schnell klar, dass Jeff nur den Nervenkitzel durch das Treffen sucht. Er macht keine Anstalten sie zu sich mitzunehmen, im Gegenteil. Die doch sehr reif wirkende Hayley bringt Jeff dazu sie mit zu sich zu nehmen, um eine MP3 Kopie eines Konzertmitschnitts zu bekommen. Kaum bei Jeff angekommen, beginnt Hayley interessiert die Wohnung von Jeff zu inspizieren. Sichtlich erfreut daran, beginnt Jeff einen Weg einzuschlagen der unüberlegter nicht hätte sein können. Die anscheinend doch nicht so kindliche Hayley panscht Jeffs Alkoholgemisch, woraufhin er nach einer längeren Bewusstlosigkeit gefesselt an einem Stuhl wieder aufwacht. Ab hier beginnt ein Martyrium, welches so wohl niemand erwartet hat. Hard Candy bietet einen sehr erfrischender Plot, der auch sieben Jahre nach Veröffentlichung des Films immer noch (leider !) allgegenwärtig ist. Dennoch bleibt es jedem überlassen inwieweit er das Gezeigte für gerechtfertigt hält.

 

 

Bild

 

Das Bild liegt in einem 2,35:1 Cinemascope-Format vor, sprich ihr müsst euch mit schwarzen Balken oben und unten begnügen. Generell erwartet euch ein sauberes, durchweg scharfes Bild, das durch warme Farbtöne eine gewisse Geborgenheit erzeugt, die wiederum einen grossen Teil zum Gesamterlebnis beiträgt. Das ein oder andere Mal wird das Gezeigte durch gut inszenierte Überblendungen vorangetrieben, die mit einem satten Rot passend zur Thematik eine Liebe zum Detail zeigen, die gleichwohl beängstigend wie auch beeindruckend ist. Während die Szenen mit dem allzeit aktiven Charakter deutlich ruhig und gefasst daherkommen wird die Panik des passiven Parts mit hektischen Kamerabewegungen in Szene gesetzt. Der Griff zur Blu-ray lohnt hier allemal.

 

 

Sound

 

Auf der Blu-ray von Hard Candy findet sich ein satter DTS-HD MA 5.1 Sound, der nahezu perfekt abgemischt ist. Während viele andere Produktionen mit einem schwankenden Geräuschpegel zu kämpfen haben, wurde bei Hard Candy genau dieser als weiteres Stilmittel verwendet. Eben noch verfolgt ihr fasziniert eine perfide Ruhe, die prompt von einer brachialen Geräuschkulisse verdrängt wird. Dem Regisseur ist es gelungen das Augenmerk tontechnisch zu jeder Zeit auf die Dialoge zwischen Hayley und Jeff zu richten, wobei diese zu keinem Zeitpunkt undeutlich oder nebensächlich wirken. Trotz alledem sollte man keine breitgefächerte Effektpalette erwarten.

 

 

Extras

 

Während ihr euch auf Standardkost wie Entfallene Szenen, Featurettes und dem original Kinotrailer einstellen dürft, erwarten euch zwei Highlights in Form von Audiokommentaren. Zum einen mit Regisseur David Slade & Autor Brian Nelson und zum anderem mit Ellen Page & Patrick Wilson. Klare Empfehlung meinerseits, schaut sie euch an. Last but not last, eine Filmdokumentation die definitiv einen Blick Wert ist.

 

 

 

Fazit

 

Solltet ihr einem gewissen Maß an Nervenkitzel nicht abgeneigt sein, werdet ihr mit Hard Candy sicherlich auf eure Kosten kommen. Spannung wird bei diesem Film groß geschrieben. Trotz des doch überschaubaren Schauplatzes, darf man sich auf immer wieder wechselnde Szenarien einstellen, die dank Vielfalt nie einheitlich wirken. Was man spätestens seit dem Blockbuster Inception schon längst wusste, wird durch die Leistung der jungen Ellen Page nochmal deutlich gefestigt: Es erwartet sie eine große Karriere in Hollywood! Patrick Wilson sollte dennoch nicht an Beachtung verlieren. Sein markantes Schauspiel bildet genau den Gegenpol, der den Film sehenswert macht. Nach diesem Film werdet ihr kaum glauben dass David Slade auch für einen Ableger der Twilight Reihe verantwortlich ist.Klare Kaufempfehlung meinerseits!


Bewertungen

Story
9/10
Bild
8/10
Sound
7/10
Extras
8/10
Fazit
8/10
Hard Candy
User-Bewertungen
12345678910 8,67/10
3 Bewertungen
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Gronka
22. Juni 2012 um 23:49 Uhr

Kommt definitiv auf meine Liste. Schönes Review!


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