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Chinese zum Mitnehmen
Absurde Ideen und Geschichten gibt es wie Sand am Meer. Doch Geschichten, die nicht nur absurd sind, sondern auch noch Wahrheit enthalten, verleihen der Suppe erst ihren würzigen und unnachahmlichen Geschmack. Der Film von Sebastian Borensztein über zwei gegensätzliche Charaktere mit Sprachbarrieren erzählt vor der Kulisse ferner Länder eben jene würzige Episode des Lebens, in der aus dem Nichts eine Kuh vom Himmel fällt und das Leben so vieler, gänzlich verschiedener Menschen nachhaltig verändert. Ob das für einen unterhaltsamen Filmabend reicht, verraten wir euch jetzt und nur hier wie immer in unserem Review. Chinese zum Mitnehmen

STORY

 

Argentinien, Buenos Aires. Im Blickpunkt ein wortkarger wie gleichermaßen mürrischer Besitzer eines Eisenwarengeschäfts. Sein Name ist Roberto und er genießt das Leben in all seiner Ödnis und Tristesse. Die größte Leidenschaft Robertos ist es, Zeitungsartikel aus aller Welt mit skurrilem wie gleichermaßen makaberem Inhalt zu sammeln und sollte es das Wetter erlauben, gönnt er sich ab und an auch mal einen Ausflug zum städtischen Flughafen, um den großen Maschinen bei ihren An- und Abflügen vom Straßenrand aus bei einem kühlen Getränk stillen Tribut zu zollen. An einem jener Tage beobachtet er zufällig den Überfall eines Touristen, welcher kurz darauf mittellos und der spanischen Sprache nicht mächtig vor Robertos Füße geworfen wird. Widerwillig erbarmt sich dieser dem Bündel voll Elend und tritt damit eine Kette von Ereignissen los, deren Ende für keinen der Beteiligten abzusehen ist.

 

Wieder einmal handelt es sich um eine interessante, gefühlvolle und durchaus nachdenkliche Geschichte, welche uns hier präsentiert wird, die auch noch reichlich Zeit für die ernsten Töne findet. Warum aber Sprüche wie “Witzig und warmherzig – eine gut gewürzte Komödie!” die Hülle der Bluray plakatieren, blieb uns ein Rätsel. Tatsächlich gab es nicht mal eine Hand voll Situationen, die zum Schmunzeln anregten und das entspricht bei Weitem nicht der geläufigen Definition von einer “süß-sauren Komödie”. Viel zu ernst ist die Aufarbeitung der Thematik, als dass genügend Platz für platte Sprüche und Slapstick-Einlagen wäre – und das ist auch gut so! Nur weckt man mit der Kategorisierung des Genres gewisse Erwartungshaltungen an einen Film und wenn diese nicht mit der eigentlichen Intention des Films einhergehen, sorgt das möglicherweise für Frust, der gar nicht nötig ist.

 

 

BILD

 

Obwohl mit Buenos Aires Argentiniens Hauptstadt und eine der größten Metropolregionen Südamerikas als Drehort gewählt wurde, sieht man davon leider sehr wenig. Stilistisch zwar begründet ist es dennoch schade, dass nicht mehr von der Kultur Argentiniens cineastisch eingefangen wurde. Technisch gesehen genügt das Bild den Ansprüchen des durchschnittlichen Zuschauers. Es ist stets scharf, bietet das Format 2.35:1 und hat gute Kontrastwerte, was insofern allerdings zu relativieren ist, da das Bild sich bis auf wenige Ausnahmen meist auf sehr matte Farben konzentriert.

 

 

SOUND

 

Da es sich bei “Chinese zum Mitnehmen” um keinen Action-Streifen handelt, hat der Subwoofer über die gesamte Spiellänge recht wenig zu tun. Die Abmischung zwischen Dialogen und Ton war immer gut, wobei der Soundtrack sich meist dezent im Hintergrund hält und sehr selten überhaupt wahrgenommen wird. Durch die gewollte Problematik der Sprachbarriere zwischen den Protagonisten Jun und Roberto wurden die chinesischen Dialoge weder übersetzt noch untertitelt. Da das aber eine bewusste und konsequente Entscheidung war, wird es nicht negativ gewertet. Es unterstützt tatsächlich sogar dadurch, Robertos missliche Lage noch besser nachzuempfinden. Die Audiospuren liegen sowohl in Spanisch als auch in der deutschen Sprache jeweils in DTS-HD Master Audio 5.1 auf der Bluray vor.

 

 

EXTRAS

 

Ascot Elite hat neben dem Originaltrailer und einer Trailershow zu weiteren Projekten ein kleines, aber ansehnliches Making Of spendiert. Das wars dann allerdings auch schon. Insgesamt also ein überschaubarer Umfang an Extras.

 

 

FAZIT

 

Sowohl Ignacio Huang alias Jun als auch Ricardo Darin alias Roberto machen ihre Sache sehr gut und so ist es maßgeblich den beiden zu verdanken, dass dem durchaus gelungenen Drehbuch auch die nötige Ernsthaftigkeit beigemischt wurde. “Chinese zum Mitnehmen” ist zwar seinem Genre als Komödie nicht gerecht geworden, konnte in allen anderen Bereichen dafür umso mehr überzeugen. Die Charakterentwicklung Robertos ist glaubhaft und seine Motivation nachvollziehbar. Auch schön ist die offen gelassene Frage, wie viel Sinn und wie viel Satire einem das Leben am Ende noch lässt. Mit seinen 94 Minuten ist der Film für all jene einen Blick wert, die Lust auf skurrile Charaktere, skurrile Geschichten und eine Portion abwechselnder Monotonie haben.

 


Bewertungen

Story
8/10
Bild
7/10
Sound
7/10
Extras
5/10
Fazit
7/10
Chinese zum Mitnehmen
User-Bewertungen
12345678910 7,00/10
1 Bewertungen
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